Warum Aktien cool sind – Teil 1: ETFs

Wie ich vor Jahren meine ersten Aktien kaufte, was ich heute anders machen würde und warum es sich auszahlen kann, im richtigen Moment faul zu sein

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Vor ein paar Jahren wollte ich meine ersten Aktien kaufen. Um herauszufinden, wie man da so am schlauesten rangeht, belegte ich einen Volkshochschul-Kurs mit dem schönen Namen „Börse for Beginners“. Dort wurden uns verschiedene Analyse-Möglichkeiten gezeigt und am Ende nahm ich zwei Dinge mit: 1. Studien hätten ergeben, dass Affen bessere Aktien-Entscheidungen treffen als Experten. 2. Die Lufthansa-Aktie sehe gerade nicht schlecht aus.

Ersteres gab mir den Mut, einfach mal zu machen, Zweites kam mir gelegen, weil ich das Unternehmen seit meiner Kindheit liebte. Immer wenn ich an einem Flugzeug den gelben Kranich auf blauem Grund ausmachen konnte, zeigte ich sehnsüchtig in den Himmel und rief: „Lufthansa!“ Also kaufte ich mir Lufthansa-Aktien. Das war 2014.

Drei Jahre später waren aus 500 Euro 750 Euro geworden. Tipptopp, dachte ich, verkaufte, und kaufte dafür andere Aktien, diesmal Airbus und Hugo Boss. Der rasante Anstieg wiederholte sich zwar bei Airbus, aber Hugo Boss zieht alles runter, also dümpeln die beiden jetzt so bei 850 Euro rum. Außerdem wollte ich eigentlich meine Lufthansa-Aktien wiederhaben. Dass Kaufen, Verkaufen und wieder Kaufen nicht so die tolle Strategie ist, wurde mir erst bewusst, als ich mich in diesem Jahr mal näher mit dem Thema befasste.

Das Problem mit den Finanzprodukten einfach erklärt

Anstoß war das Buch „Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können“. Darin erklärt die Finanzbloggerin Natascha Wegelin unter anderem das Rentenproblem – es gibt keine – und wie man deshalb klug Geld zur Seite legt, auch wenn man faul ist und sich null mit Dingen wie Altersvorsorge rumschlagen will.

Das alles erzählt Wegelin anhand eines Grillabends mit ihrer Familie. Sprich: in Dialogen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester hangelt sie sich an den wichtigsten Themen entlang. Das wirkt bisweilen nervig konstruiert, liest sich aber einfach besser weg als ein dröges Sachbuch.

Zusammengefasst ist es ganz einfach: Immer wenn wir Finanzprodukte wie eine Rentenversicherung kaufen, werden andere an unserer Faulheit und Unwissenheit verdienen. Und wir unnötig draufzahlen. Versteckte Gebühren, leere Versprechungen, aufgehübschte Zahlen. Besser ist es also, sich einmal kurz ordentlich zu informieren und dann selbst zu investieren.

Hin und her macht Taschen leer

Eine Börsenweisheit kommt dabei den Faulen schonmal zugute: Hin und her macht Taschen leer. Es hat sich gezeigt, dass es besser ist, sich bewusst für bestimmte Aktien oder Fonds zu entscheiden und die dann einfach liegenzulassen, als wild rumzuhandeln, nur weil das die krassen Broker in den amerikanischen Börsenfilmen so machen.

Wenn man wie ich ein Depot bei einer Direktbank wie der comdirect eingerichtet hat, ist das Kaufen und Verkaufen online so einfach wie eine Überweisung. Allerdings kostet mich das bei Aktien jedes Mal um die 12 Euro Gebühren. Hätte ich einfach meine Lufthansa-Aktien behalten und nicht in die zwei neuen Unternehmen investiert, wäre ich definitiv noch um 36 Euro reicher (einmal Verkauf, zweimal Kauf).

ETFs – Töpfe voll mit verschiedenen Aktien

Die Finanzbloggerin Wegelin ist eine große Freundin von ETFs, weil diese Art von Fonds noch ein paar mehr Vorteile hat als einzelne Aktien. ETFs werden nämlich nicht von teuren Fonds-Managern verwaltet (die dann hektisch hin- und herkaufen). Sondern sie bilden einen Aktien-Index ab. So ist ein DAX-ETF also zum Beispiel ein Topf mit Aktien der 30 DAX-Unternehmen drin, von dem man Anteile kaufen kann.

Und bei diesen Wörtern steigen die meisten auch schon wieder aus. Ging mir genauso, bis ich den Kanal Finanzfluss auf Youtube fand. Hier erklärt Thomas, der bei einer Investment-Bank in Paris arbeitet, sehr geduldig und auf anschauliche Weise die gesamte Palette an Grundbegriffen, die man irgendwie schonmal gehört hat, aber auch nicht unbedingt aus dem Stegreif definieren kann: von Inflation (auf dem Sparkonto wird das Geld immer weniger, deswegen investieren) über Börse und Aktien bis hin zu eben jenen ETFs. Er zeigt sogar detailliert, wie man sich einen ETF kauft:

Die Vorteile von ETFs

ETFs haben einige Vorteile gegenüber Fondsmanager-Fonds und einzelnen Aktien:

1. Die Gebühren sind niedriger als bei aktiv verwalteten Fonds.

2. Man erreicht mit einem Schlag eine hohe Diversifikation, das heißt viele Aktienanteile an vielen verschiedenen Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und Ländern. Wenn ein Unternehmen pleite geht oder eine ganze Branche strauchelt, ist das nicht ganz so tragisch, weil der Rest das ausgleicht.

3. Man kauft Anteile vom Topf, keine ganzen Aktien. Während man Aktien nur in ganzen Stücken kaufen kann (im Extremfall: eine Lindt-Aktie kostet gerade rund 7000 Euro!), entscheidet man bei einem ETF selbst, wie viel Anteil man kaufen möchte. Bei den Direktbanken gibt es dann sogar monatliche Sparpläne, die schon bei 25 Euro losgehen.

Thomas von Finanzfluss kann schon sehr nerdy werden, aber das Investieren ist ja auch sein Beruf. Wie der sich da in die verschiedenen Auswahlkriterien für die ETFs reinfummelt, kann schon wieder abschrecken. Deswegen muss man am Ende einfach mal mutig sein.

Mein erster ETF ist der MSCI World

Ich habe mich nun also erstmal für den Anfänger-ETF „MSCI World“ entschieden. Das ist ein Fonds mit rund 1600 Unternehmen aus verschiedenen Industrieländern. Um es nochmal kompliziert zu machen, gibt es auch da unterschiedliche Produkte. Die unterscheiden sich zum Beispiel in der Währung, in der Replikationsmethode oder im Fondsdomizil. Man könnte da lange abwägen, man kann aber auch einfach machen. Ich habe jetzt den „HSBC MSCI World ETF – USD DIS“.

Den bespare ich mit 50 Euro monatlich, die einfach immer direkt vom Konto abgezogen werden, wie die Miete. 74 Cent kostet das an Gebühren. Damit ist das Geld aus dem Blick und man muss nichts weiter tun. Das Nichtstun ist sogar gut: Seit ich mich für den ETF entschieden habe, ist der Kurs erstmal ordentlich gefallen. Aber kein Grund für einen Herzinfarkt – denn umso tiefer die Kurse, desto mehr Fonds-Anteil bekomme ich ja auch in jenen Monaten.

Wichtig ist nur, dass ich meine Anteile schön behalte und jetzt nicht alles sofort wieder verkaufe. Denn der Plan ist ja, langfristig ein Vermögen aufzubauen. Was dabei am meisten Spaß macht: Mein ETF ist ausschüttend, er wirft vierteljährlich Dividenden ab. Das heißt, es kamen bis jetzt schon einmal 7,81 Euro auf mein Konto geflossen, einfach so: Katsching! Das Geld kann man dann wiederum in den ETF stecken (es gibt auch thesaurierende ETFs, die machen das automatisch). Oder man legt noch ein bisschen was drauf und gönnt sich ab und zu ein paar einzelne Lieblingsaktien:

Warum Aktien cool sind – Teil 2: Einzelaktien

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