Good old Cornflakes

Immer wenn ich in einem Hotel mit Buffet frühstücke, gibt es nach dem Obst-Müsli und vor dem Nutella-Croissant ein Schüsselchen Cornflakes mit Milch, am liebsten Chocos. Was für Kindheitserinnerungen jedes Mal! Und das geht nicht nur mir so – das heimelige Knusperzeug in den bunten Packungen scheint gerade ein kleines Revival zu erleben.

[Wem das komisch vorkommt, dass ich mit Cornflakes alles aus den bunten Packungen meine und nicht nur die Flakes, der springe einmal kurz zur Kleinen Nachbemerkung.]

Vielleicht waren sie ja auch nie weg. Ich habe nachgeguckt: Im Supermarkt gibt es neben den geliebten Sorten von früher auch jede Menge neuer Sachen: Unicorn Froot Loops, Tresor, Cap’n Crunch. Allerdings kriegt man davon ja nicht mehr so viel mit. In Zeiten von Challenges wie „30 Tage zuckerfrei“ starte ich als gewissenhafte Erwachsene normalerweise eher mit so braven Birne-Joghurt-Müsli-Nuss-Kombinationen in den Tag.

Cornflakes sind Kindheitserinnerungen

Früher war das anders. Als Kind gab es bei mir jeden Morgen vor der Schule eine Schüssel mit besagten Chocos. Das waren die mit dem Bären. Oder Froot Loops (die mit dem Tukan) oder Frosties (Tiger) oder Trio (Tick, Trick und Track) oder Smacks (Frosch). Die Tiere gehören dabei unweigerlich zur Erinnerung dazu. Man kannte sie aus der Fernsehwerbung, wo sie einen eigenen Song hatten: „Die wecken den Tiger in dir – und dir!“

Die wunderbar bunten Packungen fand ich toll, deshalb durften die auch auf keinen Fall in diese hohe Tupperware mit dem blauen Spenderdeckel umgefüllt werden. Noch besser natürlich, wenn sich auch ein Extra in der Packung fand (was ja bei Zeitschriften schon sehr überzeugend war). Einmal gab es einen weißen Plastiklöffel, der sich blau färbte, wenn man ihn in die Milch tunkte. In die kalte Milch wohlgemerkt, was bei mir nicht funktionierte, weil bei uns aus irgendeinem wohlgemeinten Grunde warme Milch in die Cornflakes kam.

Richtig interessant sind natürlich auch die Packungen, die es im Ausland so gibt. Bei der Postkarten-schreib-Plattform Postcrossing gibt ein Carl aus New York in seinem Profil an, er freue sich über jegliche Art von Postkarten, vor allem auch über Ausschnitte von lokalen Cornflakes-Packungen. Was für eine gute Idee! „Cereals“ schreibt er – ich weiß noch, wie komisch ich es als Schulkind fand, dass „Cornflakes“ auf Englisch „Cereals“ heißen, obwohl die doch schon Englisch klingen. Mit Ausnahme der Original Kellogg’s Cornflakes natürlich. Die, die Andy Warhol jeden Morgen gegessen haben soll und deren Packung er in Kunst verwandelte.

Besonders kostbar: die Milch, die nach den Cornflakes übrig bleibt

Außer Kunst kann man mit Frühstücksflocken noch einiges machen. Sie zum Kochen und Backen verwenden zum Beispiel. So hat sich die amerikanische Köchin Cristina Tosi auf der Suche nach einem außergewöhnichen Dessert vom Cornflakes-Regal im Supermarkt inspirieren lassen: In der Netflix-Doku „The Chef’s Table“ erzählt sie, wie sie eine Panna cotta mit Cornflakes-Milch erfunden hat. Dafür weicht sie die Original Kellogg’s 20 Minuten in Milch ein, gibt das Ganze durch ein Sieb und verwendet diese Milch für ihr Dessert. Denn das sei doch immer das Beste gewesen, die süße Milch am Ende, wenn man mit den Cornflakes fertig war. Oh, wie recht sie hat.

Witzigerweise dachte ich bis zu dieser Doku, die Original Kellogg’s wären doch ohne Zucker, wieso hat sie denn süße Milch nach dem Auspressen? Äh ja. In meinen Kinderaugen war diese Sorte eben die schnöde, „gesunde“ Variante. Auf die Zutatenliste guckt man ja erst heutzutage: Zucker an zweiter Stelle. Na gut.

Im Cornflakes-Café hat man die ganz große Auswahl

Wer das mit dem Zucker auch eher nebensächlich findet, für den gibt es jetzt was richtig Feines: Cornflakes-Cafés! Oh mein Gott – ein Café, in dem man aus hunderttrilliarden Sorten auswählen kann und dann wieder wie als Kind ein Schüsselchen Cornflakes serviert bekommt. Und das nicht nur morgens. Mit einem kleinen Milchfläschchen und Toppings. Ein Café, in dem die 90er auch mit Figürchen und Spielekonsolen so richtig schön zelebriert werden.

In London gibt’s das Cereal Killer Café, in Köln das Flakes Corner. Und was sehe ich, während ich diesen Blogpost schreibe? Letzteres soll auch nach Düsseldorf kommen! Yeah! Bis dahin halte ich mich an die Frühstücksbuffets im Hotel. Oder kaufe mir einfach mal eine eigene Packung im Supermarkt beim nächsten Einkauf. Wie eine Erwachsene halt.

Kleine Nachbemerkung: Als ich Janko diesen Text zeigte, war er verwirrt. Weil ich (als Berlinerin) „Cornflakes“ als Oberbegriff für alle süßen Sorten aus bunten Packungen verwende. Für ihn (aus Norddeutschland) sind dagegen „Cornflakes“ nur die richtigen Flakes, alles andere wird beim Namen genannt, „Smacks“ eben oder „Chocos“. Jetzt sehe ich, dass es drüben bei der Übersetzerin Isabel Bogdan genau diese Diskussion auch schonmal gab, das scheint regional oder familiär sehr unterschiedlich zu sein. Am Ende hat auch sie sich für „Cornflakes“ als Übersetzung für „Cereals“ entschieden.

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