Warum Aktien und ETFs cool sind

Vor ein paar Jahren habe ich meine ersten Aktien gekauft. Und dann wieder verkauft. Um zu gucken, wie das so geht. Dann verging einige Zeit und plötzlich alle so: Altersvorsorge! Keine Rente! Keine Zinsen auf dem Sparkonto! Also las ich mich noch mal ein bisschen mehr ins Thema ein. Und stellte fest: Das macht so Spaß!

Bevor ich meine allerersten Aktien kaufte, belegte ich einen Volkshochschul-Kurs mit dem schönen Namen „Börse for Beginners“. Dort wurden uns verschiedene Analyse-Möglichkeiten gezeigt und am Ende nahm ich zwei Dinge mit: 1. Studien hätten ergeben, dass Affen bessere Aktien-Entscheidungen treffen als Experten. 2. Die Lufthansa-Aktie sehe gerade nicht schlecht aus.

Ersteres gab mir den Mut, einfach mal zu machen, Zweites kam mir gelegen, weil ich das Unternehmen seit meiner Kindheit liebte. Immer wenn ich an einem Flugzeug den gelben Kranich auf blauem Grund ausmachen konnte, zeigte ich sehnsüchtig in den Himmel und rief: „Lufthansa!“ Also kaufte ich mir Lufthansa-Aktien. Das war 2014.

Drei Jahre später waren aus 500 Euro 750 Euro geworden. Tipptopp, dachte ich, verkaufte, und kaufte dafür andere Aktien, diesmal Airbus und Hugo Boss. Der rasante Anstieg wiederholte sich zwar bei Airbus, aber Hugo Boss zieht alles runter, also dümpeln die beiden jetzt so bei 850 Euro rum. Außerdem wollte ich eigentlich meine Lufthansa-Aktien wiederhaben. Dass Kaufen, Verkaufen und wieder Kaufen nicht so die tolle Strategie ist, wurde mir erst bewusst, als ich mich in diesem Jahr mal näher mit dem Thema befasste.

Das Problem mit den Finanzprodukten einfach erklärt

Anstoß war das Buch „Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können“. Darin erklärt die Finanzbloggerin Natascha Wegelin unter anderem das Rentenproblem – es gibt keine – und wie man deshalb klug Geld zur Seite legt, auch wenn man faul ist und sich null mit Dingen wie Altersvorsorge rumschlagen will.

Das alles erzählt Wegelin anhand eines Grillabends mit ihrer Familie. Sprich: in Dialogen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester hangelt sie sich an den wichtigsten Themen entlang. Das wirkt bisweilen nervig konstruiert, liest sich aber einfach besser weg als ein dröges Sachbuch.

Zusammengefasst ist es ganz einfach: Immer wenn wir Finanzprodukte wie eine Rentenversicherung kaufen, werden andere an unserer Faulheit und Unwissenheit verdienen. Und wir unnötig draufzahlen. Versteckte Gebühren, leere Versprechungen, aufgehübschte Zahlen. Besser ist es also, sich einmal kurz ordentlich zu informieren und dann selbst zu investieren.

Hin und her macht Taschen leer

Eine Börsenweisheit kommt dabei den Faulen schonmal zugute: Hin und her macht Taschen leer. Es hat sich gezeigt, dass es besser ist, sich bewusst für bestimmte Aktien oder Fonds zu entscheiden und die dann einfach liegenzulassen, als wild rumzuhandeln, nur weil das die krassen Broker in den amerikanischen Börsenfilmen so machen.

Wenn man wie ich ein Depot bei einer Direktbank wie der comdirect eingerichtet hat, ist das Kaufen und Verkaufen online so einfach wie eine Überweisung. Allerdings kostet mich das bei Aktien jedes Mal um die 12 Euro Gebühren. Hätte ich einfach meine Lufthansa-Aktien behalten und nicht in die zwei neuen Unternehmen investiert, wäre ich definitiv noch um 36 Euro reicher (einmal Verkauf, zweimal Kauf).

ETFs – Töpfe voll mit verschiedenen Aktien

Die Finanzbloggerin Wegelin ist eine große Freundin von ETFs, weil diese Art von Fonds noch ein paar mehr Vorteile hat als einzelne Aktien. ETFs werden nämlich nicht von teuren Fonds-Managern verwaltet (die dann hektisch hin- und herkaufen). Sondern sie bilden einen Aktien-Index ab. So ist ein DAX-ETF also zum Beispiel ein Topf mit Aktien der 30 DAX-Unternehmen drin, von dem man Anteile kaufen kann.

Und bei diesen Wörtern steigen die meisten auch schon wieder aus. Ging mir genauso, bis ich den Kanal Finanzfluss auf Youtube fand. Hier erklärt Thomas, der bei einer Investment-Bank in Paris arbeitet, sehr geduldig und auf anschauliche Weise die gesamte Palette an Grundbegriffen, die man irgendwie schonmal gehört hat, aber auch nicht unbedingt aus dem Stegreif definieren kann: von Inflation (auf dem Sparkonto wird das Geld immer weniger, deswegen investieren) über Börse und Aktien bis hin zu eben jenen ETFs. Er zeigt sogar detailliert, wie man sich einen ETF kauft:

Die Vorteile von ETFs

ETFs haben einige Vorteile gegenüber Fondsmanager-Fonds und einzelnen Aktien:

1. Die Gebühren sind niedriger als bei aktiv verwalteten Fonds.

2. Man erreicht mit einem Schlag eine hohe Diversifikation, das heißt viele Aktienanteile an vielen verschiedenen Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und Ländern. Wenn ein Unternehmen pleite geht oder eine ganze Branche strauchelt, ist das nicht ganz so tragisch, weil der Rest das ausgleicht.

3. Man kauft Anteile vom Topf, keine ganzen Aktien. Während man Aktien nur in ganzen Stücken kaufen kann (im Extremfall: eine Lindt-Aktie kostet gerade rund 7000 Euro!), entscheidet man bei einem ETF selbst, wie viel Anteil man kaufen möchte. Bei den Direktbanken gibt es dann sogar monatliche Sparpläne, die schon bei 25 Euro losgehen.

Thomas von Finanzfluss kann schon sehr nerdy werden, aber das Investieren ist ja auch sein Beruf. Wie der sich da in die verschiedenen Auswahlkriterien für die ETFs reinfummelt, kann schon wieder abschrecken. Deswegen muss man am Ende einfach mal mutig sein.

Mein erster ETF ist der MSCI World

Ich habe mich nun also erstmal für den Anfänger-ETF „MSCI World“ entschieden. Das ist ein Fonds mit rund 1600 Unternehmen aus verschiedenen Industrieländern. Um es nochmal kompliziert zu machen, gibt es auch da unterschiedliche Produkte. Die unterscheiden sich zum Beispiel in der Währung, in der Replikationsmethode oder im Fondsdomizil. Man könnte da lange abwägen, man kann aber auch einfach machen. Ich habe jetzt den „HSBC MSCI World ETF – USD DIS“.

Den bespare ich mit 50 Euro monatlich, die einfach immer direkt vom Konto abgezogen werden, wie die Miete. 74 Cent kostet das an Gebühren. Damit ist das Geld aus dem Blick und man muss nichts weiter tun. Das Nichtstun ist sogar gut: Seit ich mich für den ETF entschieden habe, ist der Kurs erstmal ordentlich gefallen. Aber kein Grund für einen Herzinfarkt – denn umso tiefer die Kurse, desto mehr Fonds-Anteil bekomme ich ja auch in jenen Monaten.

Wichtig ist nur, dass ich meine Anteile schön behalte und jetzt nicht alles sofort wieder verkaufe. Denn der Plan ist ja, langfristig ein Vermögen aufzubauen. Was dabei am meisten Spaß macht: Mein ETF ist ausschüttend, er wirft vierteljährlich Dividenden ab. Das heißt, es kamen bis jetzt schon einmal 7,81 Euro auf mein Konto geflossen, einfach so: Katsching! Das Geld kann man dann wiederum in den ETF stecken (es gibt auch thesaurierende ETFs, die machen das automatisch).

Mit meinem ETF hatte ich mir also eine vernünftige Grundlage ins Portfolio geholt. Das war einfach, aber auch nicht sonderlich aufregend. ETFs vereinen die Aktien so vieler Unternehmen, dass das doch eine eher abstrakte Geschichte ist. Der Spaß besteht vor allem darin, dass das Geld für einen arbeitet und man sich nicht weiter um den Vermögensaufbau zu kümmern braucht.

Und wie geht das jetzt mit Einzelaktien?

Emotionaler wird es nun bei einzelnen Aktien von bestimmten Unternehmen, für die man sich aktiv selbst entscheidet. Weil man Geld anlegen möchte. Oder anders: weil man Geld zum Investieren übrig hat. Das ist nämlich die Grundvoraussetzung. Empfohlen wird, mindestens drei, vielleicht sogar fünf Monatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto zu haben, falls die Waschmaschine kaputt geht oder man seinen Job verliert. Nur das Geld, was man jetzt und im Notfall wirklich nicht braucht, ist Aktien-Geld.

Denn natürlich kann man Aktien auch jederzeit wieder verkaufen. Das – finde ich – ist ja auch das Schöne an ihnen im Gegensatz zu irgendwelchen über Jahrzehnte laufenden Verträgen. Allerdings schwanken die Kurse eben und man läuft dann Gefahr, dass in einem persönlichen Notfall auch noch gerade die Kurse im Keller sind und man quasi gezwungen ist, mit Verlust zu verkaufen.

Dieses Rauf und vor allem Runter der Kurse ist ja auch das, was die meisten Deutschen vor Aktien zurückschrecken lässt. Dabei gehen die Kurse auf lange Sicht nach oben – ganz im Gegensatz zum Sparkonto, auf dem es bei der tollen Zinslage gerade tendenziell nur bergab geht. Das liegt daran, dass Geld auf dem Sparkonto eben Geld ist. Und Geld wird durch die Inflation immer weniger. Bei Aktien dagegen ist man stolzer Besitzer von Unternehmensanteilen. Und damit konnte man in den letzten Jahrzehnten sogar Krisen trotzen, wenn man einen langen Atem hatte.

Die Dividenden-Strategie als Orientierung

Doch welche Aktien sollte ich denn nun genau kaufen? Da kann man jetzt sehr analytisch vorgehen und sich einer der vielen Strategien von Finanzexperten anschließen – zum Beispiel der Dividenden-Strategie, die Christian W. Röhl und Werner H. Heussinger im Buch „Cool bleiben und Dividenden kassieren“ vorstellen. Dieses Buch ist an sich schon sehr lesenswert, weil man anhand unterhaltsamer Anekdoten so einiges über den Aktienmarkt der letzten Jahrzehnte erfährt und nebenbei noch Begriffe wie „Mid Caps“, „Vorzugsaktien“ oder  „Stoppkurse“ erklärt bekommt.

Aber auch die Strategie von Röhl und Heussinger klingt durchaus interessant: Jedes Jahr im Januar erstellen die beiden eine Liste mit den deutschen Unternehmen, die in den letzten Jahren am meisten Dividenden-Wachstum verzeichneten, sprich: die nicht nur jedes Jahr nach der Hauptversammlung zuverlässig einen Teil ihrer Gewinne an die Aktionäre ausschütteten, sondern auch noch jedes Mal ein bisschen mehr. Die Top 20 holen sie sich dann ins Portfolio.

Diese Liste ist schonmal eine gute Orientierung. Denn natürlich besteht bei Einzelaktien immer ein höheres Risiko, dass sie komplett an Wert verlieren, als bei einem breit gestreuten Fonds. Allerdings ist dieses Risiko wiederum geringer, wenn es sich um so große Unternehmen handelt, die schon lange am Markt bestehen und die vielleicht nicht gerade mit irgendwelchem Schmu durch die Nachrichten gehen. Einfach kopieren würde ich die Liste aus drei Gründen trotzdem nicht:

1. Haste mal 20.000 Euro? Denn damit sich das mit der Kauf-Gebühr auch lohnt, empfielt es sich, pro Unternehmen Aktien im Wert von mindestens 1000 Euro zu kaufen. Klar, wenn ich mir eine Siemens-Aktie im Wert von 88 Euro kaufe (Stand heute), dann würden die rund 12 Euro Gebühren davon gut 14 Prozent ausmachen. Bei 11 Siemens-Aktien im Wert von rund 970 Euro sind die 12 Euro fast nur noch ein Prozent davon. Ein Riesenunterschied. Um das jedoch mit der Dividenden-Strategie umzusetzen, bräuchte man also mal eben 20 mal 1000 Euro.

2. Sich nur deutsche Riesen-Unternehmen ins Portfolio zu holen, ist nicht sehr breit gestreut. Klar, im besten Fall hat man ja eine vernünftige ETF-Basis und die Einzelaktien sind nur zum Spielen da. Trotzdem könnte man auch hier über den lokalen Tellerrand schauen und wenigstens ein paar Aktien aus anderen Ländern dazukaufen.

3. Der wichtigste Punkt jedoch: Unternehmen wie Symrise (auf der Liste Platz 17) mögen vielleicht tolle Dividenden abwerfen – aber wenn man von denen noch nie was gehört hat, macht es einfach keinen Spaß. Das Gleiche gilt für Unternehmen, die ich doof finde oder die langweilig sind. Das wäre dann eine sehr rationale Aktien-Kauf-Entscheidung, die nur auf trockenen Zahlen fußt.

Mut zur Aktie mit der Spaß-Strategie

Aber man will sich doch auch freuen, wenn man etwas kauft! Man möchte doch „Depotübersicht“ anklicken und denken: Was machen denn meine hübschen kleinen Aktien? Auch Röhl, einer der beiden Autoren, findet diese emotionale Herangehensweise für Aktien-Anfänger super. Im Interview mit der Geldfrau erzählt er von seiner Mutter, die als Ärztin so einige Herzschrittmacher gelegt hat, sich deswegen für Aktien von Medtronic, einem Medizintechnik-Unternehmen, entschied und damit jetzt glücklich ist (ab Minute 19:30, aber das ganze Interview ist super):

Genauso schlägt Röhl vor, statt eines neuen Apple-Handys doch einfach mal Aktien von Apple zu kaufen. Und ich glaube, diese Spaß-Strategie hilft jemandem, der zum ersten Mal Aktien kaufen möchte, tausend Mal mehr als jede komplizierte Analyse-Methode. Denn es sind ja gerade diese ganzen detaillierten Analysen und die Risikohinweise, man solle sich gründlich über den Markt und die jeweiligen Unternehmen informieren, die einem das Interesse ganz schnell wieder kaputtmachen können.

Mit dieser Spaß-Strategie dagegen fand ich im April den Mut, einfach mal zu machen. Zuerst kaufte ich mir wieder meine geliebten Lufthansa-Aktien. Es ist einfach so cool, zu wissen: Mir gehört ein Teil von Lufthansa! Da wir mit Persil waschen und in Düsseldorf wohnen, kamen noch Henkel-Stammaktien dazu. Nächstes Jahr könnten wir hier dann sogar zur Hauptversammlung gehen und mal gucken, wie spaßig sowas ist. Um auch was aus dem Ausland dabeizuhaben, kaufte ich noch 3M. Weil die das Post-it erfunden haben. Zack, so macht das doch Spaß.

Katsching: Die ersten Dividenden sind schon geflossen

Die Kauf-Gebühren von rund 36 Euro habe ich durch die Dividenden-Ausschüttungen schonmal wieder drin: Gut 50 Euro haben die Unternehmen schon fließen lassen seitdem. Von denen ich übrigens alles behalten kann. Normalerweise werden einem nämlich fette 25 Prozent Abgeltungssteuer abgezogen. Aber bis zu 801 Euro pro Jahr darf man sparen, ohne diese Steuer zu zahlen. Dazu muss man der Bank nur ein kleines Formular namens Freistellungsauftrag zukommen lassen.

Zugegeben, seit April sind die Aktienkurse erstmal ordentlich gefallen. Aber jetzt kann ich auf die roten Zahlen gucken, ohne mit der Wimper zu zucken: Na und? Wo’s runtergeht, geht’s bald auch wieder rauf. Stattdessen frage ich mich, welche Aktie ich denn mal als Nächstes kaufe. So baue ich nach und nach mein Portfolio aus und lasse schön entspannt immer mehr Dividenden auf mein Konto fließen. Also, los geht’s – bye bye Sparkonto, hallo Grundeinkommen!

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