How to Magazine – Über das werbefreie Indie-Magazin transform

War Print nicht gerade noch tot? Das Indie-Magazin transform ist nicht nur Print, sondern auch werbefrei. Wie das geht, wofür transform steht und wer da mitmacht – darum ging es am Samstag bei der Veranstaltung „How to Magazine“ im manko café + workspace.

Nataly vom manko café + workspace im Gespräch mit Hans und Richard vom Indie-Magazin transform | Foto: transform

Samstagabend, vor dem manko café + workspace wird kurz noch eine geraucht, gleich geht die Lesung los. Drinnen ist es etwas dunkler als tagsüber. Links an der Bar gibt es Bier gegen eine Spende, rechts an der Wand haben Nataly und Luise eine gemütliche Bühne für ihre Lesegäste aufgebaut – ein Teppich, darauf ein Tisch, darauf Schreibtischlampen, Mikro, ein Blatt mit Fragen und ein paar Ausgaben des Magazins, um das es heute geht: transform.

„How to Magazine“ heißt die Veranstaltung, für die rund 40 Interessierte auf Stühlen und Sofas Platz genommen haben. Und wie man ein Magazin macht, das erzählen heute Hans und Richard von transform. Hans wohnt in Hamburg, Richard in Berlin – womit sie auch schon die erste Frage nach dem Ort der Redaktion beantworten: Es gibt keinen. Die Leute, die am Magazin arbeiten, wohnen in Hamburg, Berlin oder Leipzig und können überall arbeiten. „Unser Büro ist das Internet“, sagt Hans. „Alle zwei Wochen haben wir eine Redaktionssitzung und besprechen die Themen für die kommende Ausgabe.“ Das Treffen finde dann zum Beispiel in Berlin statt, die anderen können über das Projektmanagement-Tool Trello mitdiskutieren.

„Es ist ein ganz anderes Arbeiten ohne Werbepartner“

Zur Konferenz kommt, wer gerade Lust und Zeit hat. Es gehe eher wie in einer Freundschaft zu. Da gibt es auch keine Regeln und manchmal kommt das Leben dazwischen. Eine bekommt ein Kind, ein anderer hat Stress auf Arbeit oder ist gerade auf Jobsuche. „Denn das müssen wir vielleicht dazusagen“, klärt Richard gleich zu Anfang: „transform ist unser Hobby, keiner von uns macht das hauptberuflich.“ Gerade deswegen sei das Magazin so unabhängig, was Meinungen angeht, feste Termine – und Werbung.

transform ist werbefrei. Auf den ersten Blick bedeutet das, es gibt keine Werbeeinnahmen und im Heft werden die Beiträge nicht von Werbeseiten unterbrochen. Doch laut den Machern steckt noch viel mehr dahinter: „Es ist ein ganz anderes Arbeiten, wenn man nicht dem Diktat von Werbepartnern unterliegt. Wir schreiben viel über Konsumverzicht – das ist nicht gerade ein werbefreundliches Umfeld.“ Generell müsse man sich so bei der Themenwahl nicht so sehr am Marktdenken orientieren, sondern könne auch kritische Sichtweisen miteinbeziehen. Das letzte Heft trug den Titel „Wer braucht schon Kinder?“, was kein Aufruf gegen Kinder war, wohl aber auch Tabuthemen ansprechen wollte.

Der Untertitel „Magazin für das Gute Leben“ als Ansatz

Gegründet wurde das Magazin 2015 von Richard. Also nicht dem Richard, der heute mit Hans die Lesung hier in Düsseldorf übernommen hat, weil beide ursprünglich aus dieser Ecke kommen. Sondern von Richard, der mal bei Jamba gearbeitet hat. Wir erinnern uns: Wer sein erstes Handy mit coolen Klingeltönen pimpen wollte, konnte sich das zarte Taschengeldkonto mit dem Jamba-Spar-Abo ruinieren. Nachdem Richard also einige Zeit so massiv mit Werbung konfrontiert worden war, sehnte er sich nach einer werbefreien Umgebung und rief zusammen mit Freunden transform ins Leben.

Die erste Ausgabe behandelte das Thema „Arbeit“ und enthielt unter anderem ein Interview mit dem modernen Müßiggänger Tom Hodgkinson und eine Krankschreibung zum Ausschneiden. Seitdem widmet sich jede Ausgabe einem anderen Thema. Der Untertitel „Magazin für das Gute Leben“ ist als übergeordnetes Ziel aber geblieben. Das erste Heft ist vergriffen, kann jedoch auf der Website als digitale Ausgabe oder Open Source Edition heruntergeladen werden. Oder man liest es bei einem Kaffee im manko, wo es ständig ausliegt. „Im Schnitt wird unser Magazin von drei Leuten gelesen“, haben sie herausgefunden. „Was das angeht, sind wir also auch ein bisschen nachhaltig.“

Wie ein kleines Buch, das man sich auch ins Regal stellen kann

Ein Heft zum Blättern, schön bunt und aus richtigem Papier – war Print nicht gerade noch tot? „Das hat man der Malerei auch nachgesagt, als die Fotografie aufkam“, meint Hans. „Aber dieser Wandel wurde zur Chance für die Malerei, nicht mehr fotorealistisch abbilden zu müssen.“ Ähnlich sei es jetzt mit dem Print. Durch den Internetjournalismus haben gedruckte Medien den Zwang verloren, tagesaktuell zu sein. So soll es in transform eher um langfristige Dinge gehen, um Dinge, die uns auch morgen noch umtreiben. „Print ist einfach cool“, findet Richard, der mit 18 Jahren der Jüngste aus dem transform-Team ist, „weil man etwas Schönes in der Hand hat, das man sich auch ins Regal stellen kann. Das Magazin ist eher wie ein kleines Buch.“

Doch Print – zumal werbefrei – kostet ja auch. Wo kommt da das Geld her? Von den vielen Freunden und Fans des Magazins. Denn die können über startnext.de den Druck des jeweils nächsten Heftes crowdfunden, indem sie es einfach schonmal kaufen. Das hat bisher schon viermal geklappt. Etwa alle sechs Monate erscheint eine neue Ausgabe, inzwischen mit einer Auflage von 6000 Stück, die auch schon in Bahnhofsbuchhandlungen ausliegen. An der letzten Ausgabe haben insgesamt 40 Leute ehrenamtlich geschrieben, gedacht und gezeichnet. Der Erlös werde unter den Mitwirkenden aufgeteilt. „Das ist dann aber nicht viel“, sagt Hans. „Und die meisten von uns nehmen das eh nicht an, sondern stecken es wieder in transform.“

Die Arbeit am Heft aus Idealismus oder als Ausgleich

Für Geld macht da also keiner mit. Eher aus Idealismus, wie Richard: „Das Heft macht viel Arbeit, aber auch ebenso viel Spaß.“ Andere sehen es als „Selbsttherapie“, als Ventil, um den Hauptjob auszugleichen. Wie Hans, der im richtigen Leben Unternehmensberater ist. Wieder andere sind auf der Journalistenschule und wollen mit ihren Texten das sympathische Indie-Magazin unterstützen. Inzwischen bietet transform sogar ein Praktikum an. Und freut sich immer über neue Leute. Wer Lust hat, sich einzubringen, ist willkommen.

Am Ende sind alle Fragen vorerst beantwortet. Ein paar Texte aus der „Kinder“-Ausgabe haben Hans und Richard auch vorgelesen. Die, die ihnen besonders am Herzen liegen. Jetzt bedanken sie sich und das Publikum strömt zufrieden hinaus in die Samstagnacht oder holt sich noch ein Bier. Auch den beiden Redakteuren hat die Lesung im manko gefallen. Sie wollen den Abend in Düsseldorf auf jeden Fall wiederholen – sobald die nächste Ausgabe erschienen ist.

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Links:
transform – Magazin für das Gute Leben
Crowdfunding-Plattform Startnext
manko café + workspace

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