Dead White Men’s Clothes – Ein Modelabel als Kunstprojekt

Der Künstler Jojo Gronostay kauft die Secondhand-Kleidung der Deutschen, die in Ghana gelandet ist, bringt sie zurück nach Deutschland und verkauft sie als Einzelstücke wieder teuer an die Deutschen. Wie Mode so funktioniert.

Das mit der Mode finde ich ja eher anstrengend. Weshalb ich seit dem Studium nur noch Schwarz trage, das reduziert die Auswahl in den Läden und senkt den Grad meiner Überforderung. Dabei denke ich weniger an Trauer- oder Gothic-Schwarz und mehr so an Architekten-Schwarz. Die Wahrheit liegt wohl ganz woanders, aber definitiv nicht irgendwo dazwischen.

Jedenfalls staune ich immer, wie andere Leute das machen. Es gibt die, die wirklich gut angezogen aussehen. Und die, die scheinbar nie zweimal dasselbe tragen. Und dann gibt es die mit den unglaublich großen Markennamen auf dem T-Shirt. Die also mit dem Tragen der Kleidung Werbung für diese Marke machen – und dafür ja eigentlich Geld bekommen müssten, statt horrende Summen dafür zu bezahlen. Aber ich versteh schon, Status und so.

Skischuhe in Ghana

Den Machtstrukturen hinter der Sache mit der Mode hat sich der Kunststudent Jojo Gronostay gewidmet. Dafür ging er selbst shoppen, und zwar auf dem Kantamanto-Markt in Ghanas Hauptstadt Accra. Ein riesiger Secondhand-Markt, auf den auch die aussortierten Kleider der Deutschen gespült werden. Und auf dem deshalb für Ghana so nützliche Dinge wie Skischuhe landen.

Gronostay wählte T-Shirts und Hoodies, bezahlte quasi nix, nahm alles mit nach Deutschland und gründete ein Modelabel als Kunstprojekt. Als in den 70er Jahren die ersten Secondhand-Textilien auf dem Kantamanto-Markt ankamen, dachten die Einheimischen, es müsse sich um die Kleidung Verstorbener handeln, so gut, wie die erhalten war – „dead white men’s clothes“ sagten sie dazu.

Selten, am seltensten, #habenwollen

Der Künstler übernahm die Bezeichnung für sein Label und ließ den Schriftzug oder seine Kurzform „DWMC“ auf die ausgewählten Teile drucken. 118 Stück, alle von ihm signiert. Zusammen mit der Marketing-Agentur Amsterdam Berlin bietet er sie nun zum Verkauf auf einer eigenen Website an. Fettes Label, signiert, limitiert – fehlt nur noch der stolze Preis, um das Spiel mit der Begehrlichkeit auf die Spitze zu treiben: 150 € für ein T-Shirt, 300 € für einen Hoodie. Mit den Einnahmen sollen dann junge Designer in Ghana unterstützt werden.

Was für ein schönes Spiel mit dem Wert einer Textilie, was für ein lächerlicher Kreislauf aus Konsum, Wegwerfen und Mega-Konsum. Es ist alles eine Frage der Aufmachung. Status, Baby, das will auch das fast schon hypnotisierende Intro auf deadwhitemensclothes.com klarmachen. Schon allein deswegen lohnt es sich, mal einen Blick auf die Seite zu werfen. Mh, und ein paar Sachen in Schwarz gibt’s da ja auch …

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