Freie Platzwahl – Wo man als Freelancer überall arbeiten kann

Das Beste an der Freiberuflichkeit ist die Abwechslung. Man hat verschiedene Projekte für unterschiedliche Kunden. Und wenn man wie ich hauptsächlich am Laptop liest und schreibt, kann man von überall aus arbeiten. Hier ein kleiner Überblick über die Möglichkeiten, die ich in den letzten Monaten ausprobiert habe – mit Spezial-Tipps für Düsseldorf.

1. Zu Hause

In den ersten Monaten der Freiberuflichkeit genoss ich es, von zu Hause aus zu arbeiten. Duschen, Frühstück – und zwei Minuten später sitzt man am Schreibtisch. Kein Kämpfen durch den Regen, kein Warten auf die Bahn, kein „… hat heute zehn Minuten Verspätung“. Stattdessen einfach entspannt losarbeiten. Man hat alles zur Hand, ist ungestört, kann in Ruhe telefonieren. Sich was zu essen machen, Päckchen annehmen, ohne Kopfhörer Youtube-Videos schauen, die Waschmaschine anschmeißen, dann auch gleich noch die Spülmaschine, schon mal die Einkäufe erledigen …

Und genau das kann manchmal zum Problem werden: Ohne die Struktur einer Arbeitsstelle muss man sich selbst Regeln schaffen. Doch im privaten Umfeld kostet es so viel mehr Anstrengung, diszipliniert zu sein. Alles lenkt ab. Gleichzeitig stehen in der Küche keine Kollegen, mit denen man zwischendurch kurz quatschen kann. Deswegen ist es gut, hin und wieder die Gemütlichkeit der eigenen vier Wände gegen einen Arbeitsplatz einzutauschen, an dem ein bisschen mehr los ist und an dem andere einen mit ihrer Produktivität anstecken. Also machte ich mich auf die Suche.

2. In der Uni-Bibliothek

Zusammen mit Kerstin, die ebenfalls Freelancerin ist, kehrte ich zum ersten Mal seit unserem Abschluss fünf Jahre zuvor an die Heinrich-Heine-Uni zurück. Im großen Gebäude der Universitäts- und Landesbibliothek schlossen wir unsere Jacken und Taschen wie früher im Schließfach ein. Dann stiegen wir ganz nach oben und suchten uns einen schönen Platz am Fenster, von wo aus man einen tollen Blick über die Stadt hat.

Die Ruhe einer Bibliothek erzeugt einen Sog aus konzentriertem Arbeiten. Wir lasen, schrieben, markierten, tippten und nippten zwischendurch nur kurz an unseren Wasserflaschen. Und wenn wir den Kopf hoben, ging der Blick weit, über die Baumwipfel, hoch zum Blau des Himmels mit seinen verschiedensten Wolkenformationen und einmal sahen wir sogar einen Regenbogen. Es war, als zoomte man sich kurz aus dem Geschehen heraus und erlangte wieder die Übersicht übers große Ganze.

Mittags schlenderten wir mit dem Pulk aus Studenten rüber zur Mensa, wählten aus Nostalgie Essen 1 oder den Eintopf und lauschten Gesprächen über Credit Points, Bachelorarbeiten und die Party vom Wochenende davor. Danach ein Kaffee aus der Cafete, draußen in der Sonne.

Da die Bibliothek dann doch ein sehr öffentlicher Ort ist, haben wir für diese Pausen allerdings unseren kompletten Arbeitsplatz geräumt und alles mitgenommen. Was ein bisschen umständlich ist, wenn man sich gerade so schön ausgebreitet hat. Und es gibt noch einen weiteren nicht unerheblichen Nachteil: Das WLAN steht nur den Studenten und Angehörigen der HHU zur Verfügung. Das schränkt das Spektrum der Aufgaben, die man dort erledigen kann, natürlich sehr ein. Weswegen ich die Bibliothek heute vor allem zum Lesen und Bearbeiten von ausgedruckten Texten nutze.

3. Im Café

Ich habe schon immer gern in Cafés gesessen und geschrieben. Das Gewusel der Menschen, die leise Musik und das Hintergrundrauschen der Gespräche bringen Leben in den selbst gewählten Arbeitsplatz. Jeder Tisch birgt eine andere Perspektive, im besten Fall schafft ein großes Fenster Weite für den Blick. Das ist auch super für Besprechungen und Treffen mit anderen Freelancern.

Mittwochmittags gehe ich gerne mit Janko ins KIT Café, wo man von jedem der großen Tische aus auf den Rhein schauen kann. Hier kann man sehr gut die Woche oder ein Projekt besprechen und Pläne für die Zukunft schmieden.

Auch im Chrystall am Fürstenplatz kann man gut an schönen Holztischen sitzen und leckeren Latte Macchiato trinken. [Edit 2019: Das Chrystall hat leider zugemacht.] Oder im Café Knülle auf der Oberbilker Allee, das einen nostalgischen Kaffeehaus-Charakter hat und den Milchkaffee in der Riesenschale serviert.

Um Leute zu gucken, sich inspirieren zu lassen und miteinander zu reden sind Cafés wie diese ideal. Und Menschen, die mit dem Stift etwas in ein schwarzes Notizbuch schreiben, unterstützen die entspannte Atmosphäre sogar noch. Nur Laptops mit ihrem grellweißen Licht wollen für mich nicht so richtig in dieses Bild passen. Deshalb suchte ich weiter nach Orten, wo man auch digital gut arbeiten kann.

4. Im Coworking Space

Fündig wurde ich in Coworking Spaces, in denen Freelancern und Start-ups alles bereitgestellt wird, was man zum Arbeiten braucht: WLAN, große Schreibtische und Kaffee, aber auch eine konzentrierte Atmosphäre, die ansteckend ist. In Düsseldorf habe ich mir drei solcher Orte jeweils einen Tag lang angeschaut.

Das Gewächshaus hat den Vorteil, dass es vom Hauptbahnhof fußläufig zu erreichen ist. Auf einer großen Etage sucht man sich einen Platz an einer der Schreibtischinseln, stöpselt den Laptop ein und los geht’s. Im Küchenbereich gibt es Milchkaffee, gefiltertes Wasser und nette Gespräche mit anderen Freelancern. Als ich dort war, habe ich eine spanische Grafikdesignerin kennengelernt, ansonsten war es sehr ruhig. Mal werde es voll, mal kämen nur wenige, das sei immer unterschiedlich, erzählte mir meine Ansprechpartnerin Yasemin an dem Tag.

Auch das Super7000 in Derendorf erstreckt sich über eine Etage. Hier begrüßte mich Host Judith in der gläsernen Küche und zeigte mir dann, wo hier wer was arbeitet. Die drei großen Schreibtischblöcke waren schon morgens gut gefüllt. Betonpfeiler, Hängelampen und baumelnde Steckdosenverteiler über den Tischen – der Raum erfreut mit herrlich kreativem Industrie-Chic und lockermachenden Elementen: Eine der drei Telefonkabinen ist ein Bällebad, es gibt einen Kunstrasen mit Schaukel und ab und zu schaut der Agenturhund vorbei. Hier kann man gut was schaffen und trotzdem ist immer was los um einen herum. Die Leute, die regelmäßig kommen, arbeiten sehr viel, meinte Judith. Sie mache eine Kanne Kaffee nach der anderen und es gehe so viel Zucker weg, das habe sie noch nicht erlebt.

Ein bisschen größer ist der Factory Campus. Das L-förmige Gebäude in Lierenfeld beherbergt neben zahlreichen Büroräumen, in denen Start-ups und Agenturen sitzen, zwei Coworking-Bereiche. Im zweiten Stock hat man an einzeln stehenden Schreibtischen seine Ruhe. Mich zog es in den großen Raum im Erdgeschoss, in dem man sich einen Platz für den Tag aussuchen kann: an den Schreibtischblöcken, aber auch auf dem Sofa oder einem Sessel. Es gibt Schließfächer und große Bildschirme zum Anschließen an den Laptop. Überall im Haus stehen schallisolierte Telefonkabinen zur Verfügung, in die man sich zurückziehen kann. Ebenfalls ganz unten befindet sich ein großer Café-Bereich mit Küche, in der es Sprudelwasser aus dem Hahn und guten Kaffee gibt. Unter den Coworking Spaces in Düsseldorf ist mir der Factory Campus der liebste. Hier arbeiten so viele Kreative, Start-ups, Freelancer, Agenturen und kleine Unternehmen unter einem Dach – das ergibt eine tolle, offene Atmosphäre, in der man trotzdem sehr konzentriert arbeiten kann.

5. Im Café & Workspace

Mein absoluter Favorit, was das Außer-Haus-Arbeiten angeht, ist jedoch das manko café + workspace geworden. Diese in Düsseldorf (noch) einzigartige Verbindung aus Café und Coworking Space gibt es erst seit Oktober letzten Jahres, aber ich möchte es nicht mehr missen. Schön zentral in Friedrichstadt, mit wunderbar gemütlichen, extra für das Café angefertigten Holzmöbeln und Pflanzen zum Wohlfühlen. Modern minimalistisch eingerichtet bietet es viel Platz zum Quatschen und Arbeiten.

Am liebsten sitze ich im hinteren Bereich am großen, runden Tisch, tippe in meinen Laptop, wippe zur schönen Hintergrund und genieße das Gewusel um mich herum. Es gibt sehr guten Latte Macchiato, mittags eine Stulle oder „superschale“ mit Süßkartoffeln und nachmittags selbstgemachte Nussecken oder so ausgefallene Sachen wie Stroopwafel-Kuchen.

Es kommen viele junge Kreative, zur Mittagspause aus den umliegenden Agenturen oder mit dem Laptop zum Arbeiten. Auch viele Studenten schreiben lieber hier an ihrer Bachelorarbeit, als in die Uni zu fahren. Manchmal kommt man ins Gespräch und erzählt, woran man arbeitet, manches bekommt man so mit. Und spätestens wenn die junge Selbstständige Bahar mit ihren drei Podencos vorbeischaut, freut man sich, Freelancer zu sein, und genießt die Ruhe, die diese eleganten Hunde ausstrahlen.

Die Mischung macht’s

Im Laufe des letzten Jahres habe ich noch an zahlreichen anderen Orten gearbeitet: im Zug, am Küchentisch, inhouse in Unternehmen. Und auf Reisen gibt es so tolle Hotels wie das CitizenM, in dem jedes Zimmer ein wunderschöner kleiner Kubus mit Fensterfront ist, dafür hat man im Erdgeschoss einen großen Lounge-Bereich mit Tischen, Sofas und WLAN. Ich liebe diese Abwechslung, diese freie Wahl der Arbeitsumgebung, auf die man gerade Lust hat. Und wenn es draußen in Strömen regnet, schätzt man es doch wieder, von zu Hause aus arbeiten zu können und gar nicht raus zu müssen. Man weiß ja, dass man dafür am nächsten Tag wieder einen Ausflug in die Bib, in einen Coworking Space oder ins manko machen kann.

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Tolle Arbeitsplätze für Freelancer in Düsseldorf – Links, Adressen & Preise

Universität- und Landesbibliothek: Universitätsstraße 1

KIT Café: Mannesmannufer 1
Chrystall: Fürstenplatz 5 [Edit 2019: Das Chrystall hat leider zugemacht.]
Café Knülle: Oberbilker Allee 24

Gewächshaus: Mindener Straße 30 | Probetag kostenlos | 20 € pro Tag | 99 € pro Monat | Preise 2019: 25 € pro Tag | 119 € pro Monat
Super7000: Rather Str. 25 | 25 € pro Tag | 39 € pro 2 Tage | 119 € pro Monat
Factory Campus: Erkrather Str. 401 | 15 € pro Tag | 139 € pro Monat
Alle Preise
zzgl. MwSt.

manko café + workspace: Hüttenstraße 76 Mehr über die beiden Gründerinnen

CitizenM: ich war im CitizenM Glasgow, 60 Renfrew street | gibt’s aber auch in Amsterdam, London, New York … und in Paris am Flughafen – mit Blick aufs Rollfeld!

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