Wie man einen Interview-Podcast startet – Teil 2: Den Podcast aufnehmen

Bevor ich meinen Interview-Podcast Urban Diary starten konnte, habe ich mir ’nen Ast gegoogelt: Was braucht man alles und wie geht das jetzt genau? Deshalb kommt hier die Anleitung, die ich gern gehabt hätte. Weiter geht’s mit Teil 2: der Audio-Aufnahme.

Foto: Gregor Guski, Bildbearbeitung: Janko Grode

Den Interview-Termin vorbereiten

Wenn ich einen Gast gefunden und Interview-Termin ausgemacht habe, schreibe ich mir die wichtigsten Fragen auf. Die geben dem Gespräch eine gewisse Struktur, an der ich mich langhangeln kann. Das Ganze schreibe ich per Hand auf einen A4-Zettel. So habe ich die Fragen dann während des Gesprächs immer im Blick und muss nicht am Handy rumfummeln.

Außerdem checke ich zu Hause noch, ob die SD-Karte leer ist und im Aufnahmegerät steckt, und lade die Powerbank auf.

Warum führe ich die Interviews nicht online?

Ich hab’s ja versucht. In dem Moment, in dem ich beschloss: Ich starte einen Berufe-Podcast!, kam Corona. Kurz dachte ich, das sei ein ganz guter Zufall. Denn so könnte ich ja auch Menschen interviewen, die in anderen Städten leben. Ohne selbst hinfahren zu müssen. Da ergeben sich ja ganz neue Möglichkeiten, schwärmte ich.

Und dann testete ich ein bisschen rum. Die Qualität von Skype-Aufnahmen soll unterirdisch sein. Außerdem wollte ich niemandem ein ganzes Programm aufzwängen. Sondern lieber nur einen Link verschicken, auf den der Gast dann klicken kann. Damit wir uns sofort auf das Interview einlassen können und nicht erst ewig mit Technikgefummel aufhalten müssen.

Das mit dem Link geht mit Cleanfeed. Da meldet man sich an und schon kann man jemanden zu einem Gespräch einladen. Davon hat Matze vom Podcast Hotel Matze mal erzählt. Den Test habe ich mit einem USB-Headset gemacht, meine Gästin hat in ihre Airpods gesprochen. Leider hat das nicht durchgängig geklappt – ab und zu konnte sie mich nur verkrutschelt hören.

Ich habe mir dann noch ein, zwei andere Lösungen angeguckt, die ich in amerikanischen Youtube-Videos gesehen habe (die Amis sind uns ja einen großen Schritt voraus, was Podcasts angeht). Aber die haben alle was gekostet und ich wollte meinen Podcast ja erstmal möglichst ohne laufende Kosten halten.

Ich will meine Gäste lieber persönlich treffen

Also alles ziemlich frustrierend. Bis ich eines Tages innehielt: Warte mal, ich mag doch eigentlich auch gar nicht telefonieren. Ich will doch am liebsten Menschen treffen, an verschiedenen Orten. Ihre Umgebung kennenlernen. Mit ihnen zusammen irgendwo sitzen und reden. Und irgendwann vielleicht sogar in andere Städte reisen für die Interviews und die Städte gleich mitkennenlernen.

Das war der Moment, in dem ich mir das 3-Meter-Kabel für meinen Gast besorgte. Und mich trotz Corona für persönliche Gespräche entschied. So habe ich bisher auch fast alle meine Interviews draußen oder am offenen Fenster geführt.

Natürlich sind die Aufnahmen so nicht komplett still wie im Studio. Aber das finde ich überhaupt nicht schlimm. Und: Draußen ist der Klang sehr viel besser und natürlicher als zum Beispiel in einer gefliesten Küche, wo es hallt wie Hulle.

Erstmal alles zusammenstecken

Nun aber zur eigentlichen Aufnahme: Beim Interview-Gast angekommen hole ich mein Equipment aus dem Beutel und stecke alles zusammen. Die Mikros und die Kopfhörer ins Aufnahmegerät, das Aufnahmegerät in eine Steckdose oder in die Powerbank.

Dann schalte ich das Aufnahmegerät Zoom H5 an. Eine Einstellung habe ich ganz am Anfang mal vorgenommen: die Phantomspannung für beide Mikro-Eingänge auf 48 Volt gestellt. Das sorgt dafür, dass auch die Mikros mit genug Strom versorgt werden.

Die Rode-M3-Mikros schalte ich ein, indem ich den Schalter von unten auf die mittlere Position schiebe. Die obere wäre irgendeine spezielle Aufnahme, wenn was zu laut ist oder so. Brauchen wir nicht. Die Mitte ist gut.

Mein Gast kriegt dann schonmal das Mikro in die Hand. Während der Aufnahme am besten nicht mit dem Mikro oder Kabel spielen, vor allem nicht mit Ringen. Sowas hört man auf der Aufnahme. Ansonsten kann man das Mikro aber ganz entspannt vor sich halten. Da muss man nicht so reinkrauchen wie Sänger auf der Bühne das manchmal machen.

Ein kurzer Soundcheck …

Am Aufnahmegerät schalte ich die Eingänge 1 und 2 ein. Die leuchten dann rot. Und auf dem Display sieht man jetzt die Ausschläge, wenn man ins Mikro spricht. Ideal ist, wenn die immer so auf -12 db hochgehen.

Während wir uns warmreden, höre ich mit den Kopfhörern mal kurz in die Aufnahme und drehe an den Knöpfen überm Display, um genau das hinzubekommen. Bis jetzt war das aber bei jedem Gast einfach die Stufe 5, also die goldene Mitte.

Für den Rest des Gesprächs nehme ich die Kopfhörer aber wieder ab. Damit höre ich zwar nicht, ob sich Störgeräusche einschleichen oder das Aufnahmegerät einfach ausgeht (so passiert in Folge 1 und 2, weil ich da noch mit Batterien statt Strom gearbeitet habe). Aber für die Interview-Atmosphäre ist es ohne Kopfhörer einfach schöner, finde ich.

und los geht’s!

Und während wir so reden, drücke ich einfach irgendwann den großen roten Aufnahme-Knopf. Dann läuft die Aufnahme schonmal und ich kann ganz entspannt den Gast begrüßen, wenn wir mental soweit sind.

Das war’s auch schon. Wenn das Gespräch zu Ende ist, einfach einmal auf den Stopp-Knopf drücken. Und mit dem Schatz in der Tasche nach Hause tänzeln. Wo ich die Dateien von der SD-Karte auf den Computer ziehe, um sofort ein Backup zu haben und mal kurz reinzuhören, ob alles geklappt hat.

Jetzt haben wir 2 relativ große WAV-Dateien, eine mit der Gast-Tonspur und eine mit der eigenen. Wie daraus eine schöne kleine MP3-Datei wird, erkläre ich in Teil 3: Die Aufnahme bearbeiten – COMING SOON :)

Und hier gibt’s die anderen Teile meiner Anleitung: Wie man einen Interview-Podcast startet

Teil 1: Das Equipment
Teil 2: Den Podcast aufnehmen
Teil 3: Die Aufnahme bearbeiten – COMING SOON
Teil 4: Den Podcast veröffentlichen – COMING SOON

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