Wie man einen Interview-Podcast startet – Teil 1: Das Equipment

Bevor ich meinen Interview-Podcast Urban Diary starten konnte, habe ich mir erstmal ’nen Ast gegoogelt: Welches Equipment brauche ich? Wie schneide ich die Audio-Datei? Und wie veröffentlicht man das Ganze dann? Deshalb kommt hier die Anleitung, die ich gern gehabt hätte. Los geht’s mit Teil 1: der Ausstattung.

Foto: Gregor Guski, Bildbearbeitung: Janko Grode

Welches Equipment brauche ich?

Für jede Podcast-Folge interviewe ich einen Gast. Dafür besuche ich die Leute zu Hause, auf der Arbeit oder ich treffe sie irgendwo draußen. Und das nehme ich mit:

2x Mikros Rode M3
2x XLR-Kabel
1x Aufnahmegerät Zoom H5
1x SD-Karte
1x Powerbank
1x Marshall-Kopfhörer

Warum 2 Mikros Rode M3?

Weil in meinem Podcast immer 2 Leute sprechen: mein Gast und ich. Hat man da nur ein Mikro auf dem Tisch, in das beide reinsprechen, klingt das gleich nach Konferenzraum. Ich wollte aber, dass beide Stimmen so schön nah klingen. Und das geht nur, wenn jeder ein eigenes Mikro hat.

Das Rode M3 hat mir ein Bekannter von einem freien Radio empfohlen. Das ist nicht so wahnsinnig teuer und kommt inklusive Schaumstoff-Windschutz. Der gleicht super aus, wenn man zu laut ins Mikro atmet oder bei den P-Lauten rumploppt. Und draußen fängt er leichte Windgeräusche auf.

Das Ganze ist eine schwarze Handkeule mit einer schwarzen Schaumstoff-Kugel. Das sieht dann nicht ganz so podcastig aus wie ein Mikro, das mit Schwenkarm und runder Popkiller-Scheibe an einem Tisch befestigt ist. Dafür hat man sein Mikro selbst in der Hand und kann sich auch mal zurücklehnen. Und man ist mobil – draußen im Park hat man zum Beispiel ja gar keinen Tisch.

Warum 2 XLR-Kabel?

Weil die Mikros ohne Kabel kommen. Muss man auch erstmal wissen. Und XLR, weil die Mikros auf der einen und das Aufnahmegerät auf der anderen Seite XLR-Anschlüsse haben. Das sind so runde Stecker mit drei Nupsis.

Ich habe jetzt mal ein 1,5 Meter langes Kabel genommen. Und als klar war, dass ich meinen Podcast in Corona-Zeiten starten werde, noch ein 3 Meter langes für den Gast. Aber zweimal 1,5 Meter hätten es wohl auch getan.

Warum das Aufnahmegerät Zoom H5?

Theoretisch kann man einen Podcast auch direkt auf dem Computer aufnehmen, zum Beispiel mit einem Programm wie Audacity. Aber dann müsste man immer den Laptop mitschleppen, plus Aufladekabel. Und da kann man dann auch nur ein Mikro anschließen. Zwar ganz einfach per USB. Aber eben nur eins.

Ab 2 Mikros braucht man sowieso eine Schnittstelle zwischen Computer und Mikros. Da kann man sich statt der Schnittstelle auch gleich ein Aufnahmegerät kaufen – und kommt so auch ohne Laptop aus.

Nach wildem Hin- und Herrecherchieren habe ich mich letztendlich für ein Zoom H5 entschieden und bin sehr glücklich damit. Ein Mitarbeiter vom Musikhaus Thomann hat mir das Tascam DR-40X empfohlen, weil das noch ein bisschen neuer und billiger sei. Bei den Bewertungen stand dann aber überall, dass es sich eben auch nach billigem Plastik anfühlt.

Das Zoom H5 dagegen sieht wirklich cool aus und fühlt sich irgendwie wertig an. Ich habe mich jedenfalls sehr gefreut, als ich es zum ersten Mal in der Hand hielt. Es gibt auch noch das neuere und teurere H6, aber das hat 4 XLR-Eingänge und ich brauche ja nur 2 für meine 2 Mikros. Weil ich mir sicher bin, dass ich immer nur einen Gast interviewen möchte.

Außerdem gibt es noch das etwas billigere Zoom H4n, den Vorgänger vom H5. Aber zwischen den beiden ist der Preisunterschied so gering, dass man auch gleich das neuere H5 nehmen kann.

Warum eine SD-Karte?

Das Zoom H5 ist quasi die moderne Form von diesen coolen Diktiergeräten mit kleinen Kassetten, die es früher gab. Nur statt auf Kassetten speichert man die Aufnahme auf einer SD-Karte und kann sie von da auf den Computer übertragen. Aufgepasst: Das H5 nimmt nicht jede Speicherkarte – nur welche bis 32 GB.

Warum eine Powerbank?

Das Zoom H5 hat ein Fach für 2 Batterien. Also habe ich angenommen, ich steck da die mitgelieferten Batterien rein und los geht’s. Ging’s auch. Nur dass die nach gerade mal 45 Minuten Aufnahme leer waren und das H5 einfach ausging. Und das gleich mal mitten in der ersten Folge vom Urban Diary.

Für die zweite Folge habe ich noch probiert, beide Mikros zusätzlich mit Blockbatterien zu bestücken. Das hat dann immerhin eine Stunde gehalten. Aber so ging das nicht weiter. Ich konnte ja nicht für jede Podcast-Folge 4 Batterien verballern und dabei die ganze Zeit panisch aufs Display starren, auf dass es auch ja nicht ausgehe.

Also: Das Zoom H5 besser mit Strom versorgen. Strom kriegt das H5, indem man es mit dem beiliegenden Kabel und dem Stecker vom Handyaufladekabel in die Steckdose steckt.

Ist keine Steckdose da, schließt man das H5 an eine Powerbank an. Das sind die Dinger, die damals während des PokémonGo-Hypes alle Handys am Laufen gehalten haben. Sehr praktisch. Meine Powerbank ist von Anker und hält mindestens 4 Stunden lang. Ganz sicher, ich hab’s mal testweise ausprobiert.

Warum Kopfhörer?

Die Kopfhörer stecke ich vor dem Interview ins Aufnahmegerät und höre dann einmal kurz Probe, ob mein Gast und ich beide gut zu hören sind. Während der Aufnahme habe ich sie aber nicht auf.

Und wenn ich den Podcast schneide, stecke ich die Kopfhörer in den Laptop. Denn damit hört man sehr genau die Lautstärke der beiden Stimmen und etwaige Hintergrundgeräusche. Ich hab mir dafür jetzt mal Jankos Marshall-Kopfhörer stibitzt.

Hätten wir keine Kopfhörer im Haus gehabt, hätte ich mir die Sennheiser HD-25 gegönnt, die mir ein Mitarbeiter von Thomann empfohlen hat. Die hätten wohl alle, die irgendwie mit Tontechnik zu tun haben, ein Klassiker. Fürs superprofessionelle Feeling sind die also bestimmt gut. Ansonsten tun es so billige Kopfhörer mit Ohrstöpseln und Kabel aber sicher auch.

So, jetzt haben wir endlich das ganze Equipment zusammen. Dann kann’s ja losgehen – in Teil 2 geht’s weiter mit der Audio-Aufnahme.

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