Warum Aktien cool sind – Teil 2: Einzelaktien

Wie ich die Dividenden-Strategie als Orientierung nahm, dann aber doch fand: Spaß ist die beste Strategie, und welche Aktien ich mir heute ins Portfolio hole

Mit meinem ETF hatte ich mir also eine vernünftige Grundlage ins Portfolio geholt (Teil 1: ETFs). Das war einfach, aber auch nicht sonderlich aufregend. ETFs vereinen die Aktien so vieler Unternehmen, dass das doch eine eher abstrakte Geschichte ist. Der Spaß besteht vor allem darin, dass das Geld für einen arbeitet und man sich nicht weiter um den Vermögensaufbau zu kümmern braucht.

Nur Geld investieren, was man wirklich übrighat

Emotionaler wird es nun bei einzelnen Aktien von bestimmten Unternehmen, für die man sich aktiv selbst entscheidet. Weil man Geld anlegen möchte. Oder anders: weil man Geld zum Investieren übrig hat. Das ist nämlich die Grundvoraussetzung. Empfohlen wird, mindestens drei, vielleicht sogar fünf Monatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto zu haben, falls die Waschmaschine kaputt geht oder man seinen Job verliert. Nur das Geld, was man jetzt und im Notfall wirklich nicht braucht, ist Aktien-Geld.

Denn natürlich kann man Aktien auch jederzeit wieder verkaufen. Das – finde ich – ist ja auch das Schöne an ihnen im Gegensatz zu irgendwelchen über Jahrzehnte laufenden Verträgen. Allerdings schwanken die Kurse eben und man läuft dann Gefahr, dass in einem persönlichen Notfall auch noch gerade die Kurse im Keller sind und man quasi gezwungen ist, mit Verlust zu verkaufen.

Dieses Rauf und vor allem Runter der Kurse ist ja auch das, was die meisten Deutschen vor Aktien zurückschrecken lässt. Dabei gehen die Kurse auf lange Sicht nach oben – ganz im Gegensatz zum Sparkonto, auf dem es bei der tollen Zinslage gerade tendenziell nur bergab geht. Das liegt daran, dass Geld auf dem Sparkonto eben Geld ist. Und Geld wird durch die Inflation immer weniger. Bei Aktien dagegen ist man stolzer Besitzer von Unternehmensanteilen. Und damit konnte man in den letzten Jahrzehnten sogar Krisen trotzen, wenn man einen langen Atem hatte.

Die Dividenden-Strategie als Orientierung

Doch welche Aktien sollte ich denn nun genau kaufen? Da kann man jetzt sehr analytisch vorgehen und sich einer der vielen Strategien von Finanzexperten anschließen – zum Beispiel der Dividenden-Strategie, die Christian W. Röhl und Werner H. Heussinger im Buch „Cool bleiben und Dividenden kassieren“ vorstellen. Dieses Buch ist an sich schon sehr lesenswert, weil man anhand unterhaltsamer Anekdoten so einiges über den Aktienmarkt der letzten Jahrzehnte erfährt und nebenbei noch Begriffe wie „Mid Caps“, „Vorzugsaktien“ oder  „Stoppkurse“ erklärt bekommt.

Aber auch die Strategie von Röhl und Heussinger klingt durchaus interessant: Jedes Jahr im Januar erstellen die beiden eine Liste mit den deutschen Unternehmen, die in den letzten Jahren am meisten Dividenden-Wachstum verzeichneten, sprich: die nicht nur jedes Jahr nach der Hauptversammlung zuverlässig einen Teil ihrer Gewinne an die Aktionäre ausschütteten, sondern auch noch jedes Mal ein bisschen mehr. Die Top 20 holen sie sich dann ins Portfolio.

Diese Liste ist schonmal eine gute Orientierung. Denn natürlich besteht bei Einzelaktien immer ein höheres Risiko, dass sie komplett an Wert verlieren, als bei einem breit gestreuten Fonds. Allerdings ist dieses Risiko wiederum geringer, wenn es sich um so große Unternehmen handelt, die schon lange am Markt bestehen und die vielleicht nicht gerade mit irgendwelchem Schmu durch die Nachrichten gehen. Einfach kopieren würde ich die Liste aus drei Gründen trotzdem nicht:

1. Haste mal 20.000 Euro? Denn damit sich das mit der Kauf-Gebühr auch lohnt, empfielt es sich, pro Unternehmen Aktien im Wert von mindestens 1000 Euro zu kaufen. Klar, wenn ich mir eine Siemens-Aktie im Wert von 88 Euro kaufe (Stand heute), dann würden die rund 12 Euro Gebühren davon gut 14 Prozent ausmachen. Bei 11 Siemens-Aktien im Wert von rund 970 Euro sind die 12 Euro fast nur noch ein Prozent davon. Ein Riesenunterschied. Um das jedoch mit der Dividenden-Strategie umzusetzen, bräuchte man also mal eben 20 mal 1000 Euro.

2. Sich nur deutsche Riesen-Unternehmen ins Portfolio zu holen, ist nicht sehr breit gestreut. Klar, im besten Fall hat man ja eine vernünftige ETF-Basis und die Einzelaktien sind nur zum Spielen da. Trotzdem könnte man auch hier über den lokalen Tellerrand schauen und wenigstens ein paar Aktien aus anderen Ländern dazukaufen.

3. Der wichtigste Punkt jedoch: Unternehmen wie Symrise (auf der Liste Platz 17) mögen vielleicht tolle Dividenden abwerfen – aber wenn man von denen noch nie was gehört hat, macht es einfach keinen Spaß. Das Gleiche gilt für Unternehmen, die ich doof finde oder die langweilig sind. Das wäre dann eine sehr rationale Aktien-Kauf-Entscheidung, die nur auf trockenen Zahlen fußt.

Mut zur Aktie mit der Spaß-Strategie

Aber man will sich doch auch freuen, wenn man etwas kauft! Man möchte doch „Depotübersicht“ anklicken und denken: Was machen denn meine hübschen kleinen Aktien? Auch Röhl, einer der beiden Autoren, findet diese emotionale Herangehensweise für Aktien-Anfänger super. Im Interview mit der Geldfrau erzählt er von seiner Mutter, die als Ärztin so einige Herzschrittmacher gelegt hat, sich deswegen für Aktien von Medtronic, einem Medizintechnik-Unternehmen, entschied und damit jetzt glücklich ist (ab Minute 19:30, aber das ganze Interview ist super):

Genauso schlägt Röhl vor, statt eines neuen Apple-Handys doch einfach mal Aktien von Apple zu kaufen. Und ich glaube, diese Spaß-Strategie hilft jemandem, der zum ersten Mal Aktien kaufen möchte, tausend Mal mehr als jede komplizierte Analyse-Methode. Denn es sind ja gerade diese ganzen detaillierten Analysen und die Risikohinweise, man solle sich gründlich über den Markt und die jeweiligen Unternehmen informieren, die einem das Interesse ganz schnell wieder kaputtmachen können.

Mit dieser Spaß-Strategie dagegen fand ich im April den Mut, einfach mal zu machen. Zuerst kaufte ich mir wieder meine geliebten Lufthansa-Aktien. Es ist einfach so cool, zu wissen: Mir gehört ein Teil von Lufthansa! Da wir mit Persil waschen und in Düsseldorf wohnen, kamen noch Henkel-Stammaktien dazu. Nächstes Jahr könnten wir hier dann sogar zur Hauptversammlung gehen und mal gucken, wie spaßig sowas ist. Um auch was aus dem Ausland dabeizuhaben, kaufte ich noch 3M. Weil die das Post-it erfunden haben. Zack, so macht das doch Spaß.

Katsching: Die ersten Dividenden sind schon geflossen

Die Kauf-Gebühren von rund 36 Euro habe ich durch die Dividenden-Ausschüttungen schonmal wieder drin: Gut 50 Euro haben die Unternehmen schon fließen lassen seitdem. Von denen ich übrigens alles behalten kann. Normalerweise werden einem nämlich fette 25 Prozent Abgeltungssteuer abgezogen. Aber bis zu 801 Euro pro Jahr darf man sparen, ohne diese Steuer zu zahlen. Dazu muss man der Bank nur ein kleines Formular namens Freistellungsauftrag zukommen lassen.

Zugegeben, seit April sind die Aktienkurse erstmal ordentlich gefallen. Aber jetzt kann ich auf die roten Zahlen gucken, ohne mit der Wimper zu zucken: Na und? Wo’s runtergeht, geht’s bald auch wieder rauf. Stattdessen frage ich mich, welche Aktie ich denn mal als Nächstes kaufe. So baue ich nach und nach mein Portfolio aus und lasse schön entspannt immer mehr Dividenden auf mein Konto fließen. Also, los geht’s – bye bye Sparkonto, hallo Grundeinkommen!

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