Urbane Skizzen und Design – Interview mit Janko Grode

Es muss nicht immer Sprache sein – auch Janko Grode hält die Stadt in seinem Skizzenbuch fest. Mit Fineliner und Aquarellkasten zieht er durch Bahnhöfe, Kneipen und Buchläden und skizziert urbane Szenen. Ich habe mich dazugesetzt und mit dem Illustrator und Designer über seine ersten Zeichnungen gesprochen und darüber, was aus einer Zeichnung alles entstehen kann.

Johanneskirche

Wie hat das mit dem Zeichnen bei dir angefangen?

Ich habe schon früh viel gezeichnet. Als Kind macht man sich ja keine Gedanken darüber, man zeichnet einfach. Eine meiner ersten Skizzen hieß „Autobahn nach Dänemark“. Das waren vier parallele Linien, auf Endlospapier. Und mein Vater hat dann den Titel dazugeschrieben, den habe ich wohl immer dazugesagt. Später kamen kämpfende Indianer und Cowboys hinzu. Und auch schon erstes Urban Sketching: Menschen, die ich so oder so ähnlich in meiner Heimatstadt Neumünster gesehen habe – ein Punker, eine Frau mit Kinderwagen, ein Mann mit Zigarette.

Urban Sketching 86

Was zeichnest du heutzutage?

Heute zeichne ich gerne alltägliche Szenen. Denn ich finde, dass gerade im Alltäglichen der Reiz liegt. Ich mag es, das zu zeichnen, was so um einen herum passiert in der Stadt, auf öffentlichen Plätzen. Momentan beschäftige ich mich auch gerade mit dem Aktzeichnen. Weil es beim Zeichnen von Menschen grundlegend ist, dass man sich mit dem Menschen auseinandersetzt. Und Aktzeichnen ist ja so das ursprünglichste Menschenzeichnen.

In welchem Rahmen zeichnest du die Stadt? Gehst du einfach raus und zeichnest drauflos?

Ja, oft zeichne ich einfach drauflos. Wenn ich denke, dass ich irgendwo Zeit zum Zeichnen habe, dann habe ich meine Zeichensachen auch immer dabei. Außerdem habe ich den Sketchclub gegründet, der sich jeden Mittwoch um 17:30 Uhr an einem anderen Ort in Düsseldorf trifft. Hier lade ich die Leute dazu ein, mit mir zusammen zu zeichnen.

Büdchen Düsseldorf

Wo kann man deine Skizzen sehen?

Zum einen auf meiner Website unter Illustration. Da kann man zum Beispiel in meinem Skizzenbuch 2017 stöbern. Außerdem zeige ich meine Skizzen auf Instagram, um mich mit anderen Zeichnern zu vernetzen und auszutauschen. Meist fotografiere ich die Zeichnungen dafür noch direkt vor Ort.

Kann man deine Skizzen auch kaufen?

Ja, natürlich. Zum einen kann man mich direkt beauftragen, besondere Orte mit einer Zeichnung künstlerisch festzuhalten. Das kann die Häuserecke sein, an der sich ein Paar zum ersten Mal getroffen hat, der Lieblingsplatz im Garten oder der eigene Friseursalon.

Neben solchen Auftragsarbeiten gebe ich einmal im Monat die Grode Wundertüte heraus. Darin stecken jeweils zwei ausgewählte Skizzen, die ich in dem Monat gemacht habe, als A5-große Drucke. Das ist quasi eine kleine Wechselausstellung, die mit der Post kommt. Die man sich an die Wand hängen und anschauen, aber eben auch regelmäßig austauschen kann.

Du machst ja nicht nur Zeichnungen, sondern auch Filme und Designobjekte. Wie hängt das miteinander zusammen?

Die Herangehensweise ist eigentlich immer die gleiche: Der Ausgangspunkt ist die Zeichnung. Und das, was dann aus dieser Zeichnung entsteht, kann entweder die Zeichnung an sich sein, also das Festhalten von Augenblicken, von Stadtszenen, von Menschen. Oder aber sie ist die Grundlage für eine Illustration, eine Buchillustration zum Beispiel. Hierfür verarbeite ich das Gezeichnete digital weiter oder kombiniere es mit Drucken von eigens angefertigten Stempeln. Auch meine Stop-Motion-Filme bestehen aus einer Vielzahl einzelner Zeichnungen.

Genauso halte ich bei den Designobjekten die Idee für ein Möbel zuerst in einer Skizze fest. Mit Design habe ich mich schon immer beschäftigt. Nach dem Abitur habe ich deshalb auch erst eine Ausbildung zum Tischler gemacht. Ich arbeite gerne mit Holz. Das ist ein guter Ausgleich zum stillen Sitzen an einer Zeichnung und zum Arbeiten am Computer.

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