Traumjob Kiosk-Verkäufer

Das Österreichische hat so schöne Wörter. Eine „Trafik“ zum Beispiel ist ein Zeitungskiosk. In Robert Seethalers Roman „Der Trafikant“ kommt der junge Franz Huchel nach Wien, um in einer solchen zu arbeiten. Das Buch erzählt schnell, die Dinge passieren Knall auf Fall: Sigmund Freud, das Mädchen Anezka, die Nazis.

Gleichzeitig nimmt es sich Zeit für wunderschöne Details. Mir gefiel, dass sich Franz und seine Mutter gegenseitig Postkarten schicken. Oder dass er seine Träume auf Zettel schreibt und die ins Schaufenster hängt. Oder wie er von Otto Trsnjek eingearbeitet wird: Wenn nichts Dringlicheres anstehe, solle er Zeitungen lesen. Aber nicht etwa flüchtig. Sondern alle, die es auf dem Markt und also in der Trafik gibt, „zu einem größeren Teil“, das heißt vom Aufmacher über den Leitartikel bis hin zu den wichtigsten Meldungen aus Kultur und Gesellschaft. Nur so könne man den Zeitungskäufer ordentlich beraten. Was ist denn das bitte für ein Traumjob.

Und dann die Sprache! Seethaler hat so Sachen auf Lager wie: „Der Professor hingegen war dermaßen klug, dass er sich die Bücher, die er lesen wollte, gleich auch selber schreiben konnte.“ Oder: „Und vom Verkaufsraum drang manchmal ein leises Rascheln herein. Mäuse vielleicht, dachte Franz, oder Ratten. Oder die Geschehnisse des letzten Tages, die, bereits zu ihrer eigenen Erinnerung geworden, aus den Zeitungen herausraschelten.“

Während man all diese guten Zeilen heraussaugt, hält man ein herrlich fluffiges Buch in den Händen. Das finde ich immer wichtig, diese Fluffigkeit der Seiten und des Taschenbuchdeckels. Der Buchblock ist an der Seite blau gefärbt und das Design schön schlicht mit einem Schwarz-Weiß-Bild von einem – natürlich: von einem Zeitungsleser.

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Robert Seethaler: Der Trafikant, Kein & Aber, 2014, Zitate von S. 25, 127 und 149.

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