Mein Sabbatical – die Finanzierung

Anfang 2015 arbeitete ich als Angestellte in einem Übersetzungsbüro und wusste: Ich möchte etwas ändern. Etwas Neues machen. Beruflich sollte es irgendwie weitergehen, ich wusste nur noch nicht, wohin. Ich war also unzufrieden genug, um zu träumen. Aber noch nicht so weit zu kündigen, denn ich hatte ja noch keinen neuen Plan. In dieser Zeit entdeckte ich das Projekt Mein Grundeinkommen.

Dessen Initiator Michael Bohmeyer hat ein erfolgreiches Start-up mitgegründet, ist ausgestiegen und bezieht seit 2014 monatlich knapp 1.000 Euro Gewinnanteil. Durch diese Grundsicherung führt er ein sorgenfreieres Leben, ist kreativer und mutiger. Mit seinem Projekt möchte er auch anderen Menschen die Möglichkeit bieten, zumindest ein Jahr lang ein bedingungsloses Grundeinkommen zu erhalten.

Auf mein-grundeinkommen.de kann jeder dieses Projekt mit einer Spende unterstützen. Sobald 12.000 Euro zusammengekommen sind, wird das Geld als Grundeinkommen verlost. Der Gewinner erhält ein Jahr lang jeden Monat 1.000 Euro. Auf diese Weise bringen Bohmeyer und sein Team das Thema Bedingungsloses Grundeinkommen ins Gespräch. Gleichzeitig erzählen ihnen viele der Gewinner, was das BGE für sie verändert hat.

Ein Gewinnspiel, das Freiheit verlost

Die Idee fand ich toll, Veränderung wollte ich auch, also meldete ich mich bei der Seite an und wartete gespannt auf die nächste Verlosung. Ein Jahr lang abgesichert sein! Nicht arbeiten müssen, sondern in Ruhe herausfinden, wie es weitergehen soll. Ich würde sofort kündigen, das war klar. Am Tag der Verlosung legte ich all meine Hoffnung in dieses Gewinnspiel. Und gewann. Aber nicht die Verlosung. Sondern eine Erkenntnis.

12.000 Euro – so viel hatte ich inzwischen auch auf dem Sparkonto. Das lag vor allem daran, dass mein Berufseinstieg vor einigen Jahren nicht viel an meinem studentischen Lebensstil geändert hatte. Ich gehe nicht gern shoppen und hole mir am liebsten Bücher aus der Bibliothek. Ich habe kein Auto und wohne noch immer billig zur Miete. Ich gebe mehr Geld für Reisen aus, dafür keins mehr für Zigaretten. Da lag also bereits ein Jahr Grundeinkommen auf meinem Konto. Ich musste nur noch den Mut haben, es mir auch wirklich selbst auszuzahlen.

Ein Sabbatical kann auch Geld einbringen

„Nur noch“ dauerte dann trotzdem noch ein halbes Jahr. Weil „unbefristete Festanstellung“ so schön nach weichem Kissen klingt und alles andere nach Karton unter Brücke. Und weil keiner sein Sparkonto gern nach unten schnellen sieht. Wobei das ja nicht zwangsläufig so sein muss: Die Journalistin Meike Winnemuth hat 500.000 Euro bei „Wer wird Millionär?“ gewonnen und daraufhin ihren Traum verwirklicht, ein Jahr lang jeden Monat in einer anderen Stadt zu wohnen. Weil sie ihren Beruf so sehr liebt, hat sie einen Laptop mitgenommen, während der Weltreise einfach weitergearbeitet – und im Endeffekt genauso viel Geld verdient, wie sie ausgegeben hat. Sie hätte den Gewinn von Günther Jauch also gar nicht gebraucht.

Nun war ich keine Journalistin und das Schöne am bedingungslosen Grundeinkommen bzw. an einem Sabbatical ist ja gerade, dass man nichts tun muss. Aber man kann. Und ich wollte ja gar nicht nichts tun. Ich wollte vor allem ausprobieren dürfen, Ideen verwirklichen, Sachen machen, die auf den ersten Blick nicht sehr sinnvoll erscheinen. Woher wollte ich denn vorher wissen, dass all das nur Geld kostet und nicht vielleicht auch etwas einbringt?

Der Worst Case klang gar nicht so worst

Und selbst wenn das ganze Geld weg wäre, könnte ich mir erstmal einen Notjob suchen. Dieses Worst-Case-Szenario klang für mich gar nicht so worst, so dass ich im Herbst endlich soweit war. Ich reichte die Kündigung ein. Mein Sparkonto hielt dann tatsächlich genau ein Jahr. Ein Jahr, in dem ich eine Menge ausprobiert und verwirklicht habe, viel gereist und auch viel gescheitert bin. Bis ich am Ende mit einem Ziel dastand, von dem ich nie gedacht hätte, dass es mal zu mir gehören würde: Ich möchte nicht mehr angestellt sein. Ich mache mich jetzt selbstständig.

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