Lieblingsstück: Kranichbeutel

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gibt es eine Kolumne, in der Leute ihr Lieblingsstück vorstellen und die Geschichte dazu erzählen. Diese Kolumne ist jetzt auch als Buch erschienen. Als ich von Filz-Pantoffeln, Topfpflanzen und Duschköpfen las, fragte ich mich: Was ist denn mein Liebingsstück? Ganz klar – der Kranichbeutel.

Frau vor Rolltor mit Schild Parken verboten und Jutebeutel mit Origami-Kranich

Den Kranichbeutel hat mir mein Janko geschenkt, einen Tag vor unserer Hochzeit. Wir wollten ja alles ein bisschen anders machen. Also falteten wir für das Fest tausend Kraniche aus weißem Origami-Papier. Tausend Kraniche, dann habe man einen Wunsch frei, sagt ein japanisches Sprichwort. Und das ist doch super, so zum Ehestart.

Die Kraniche hingen dann nicht nur im Festsaal, sie ersetzten auch Blumen, dienten als Fotomotiv, waren auf die Einladung gestempelt und in Jankos Manschettenknöpfe graviert.

Weiße Origami-Kraniche hängend

Wir fühlten uns also eigentlich gut vorbereitet, bis ich zwei Tage vor dem Termin beim Standesamt ganz pragmatisch feststellte: Wo stecken wir denn die Geburtsurkunden hin, und den Haustürschlüssel? Janko in Anzug, ich in Kleid. Jacke, Handtasche – alles Schnickschnack, hatte ich gedacht. Und nun?

Dann kam ich also von der Arbeit, das letzte Mal vor der großen Reise, und Janko überraschte mich mit dieser einfachen Lösung: ein Beutel, von ihm gestaltet mit unserem Kranich drauf. Ich habe mich unbändig gefreut über die Geste. Und den Beutel am nächsten Tag stolz durch den Hochzeitstag getragen.

Jutebeutel mit Origami-Kranich bei Hochzeit mit Brautstrauß

Das war im Juli 2015. Seitdem habe ich den Kranichbeutel praktisch nicht mehr abgelegt. Er hat kaum Eigengewicht und ist damit so viel leichter als die Handtaschen, die ich vorher besessen hatte. Man schmeißt einfach Portemonnaie, Stift und Wasserflasche hinein und geht los, die Stadt entdecken. Und wenn die Strickjacke zu warm wird oder ich noch kurz einkaufen gehe, findet auch das Platz im Beutel.

Leider gehen das urbane Leben und vier Winter nicht spurlos an solch einem zarten Jutebeutelchen vorbei. Zum Glück haben wir damals eine kleine Serie aus den Kranichbeuteln gemacht. Ein paar haben wir verschenkt, ein paar sind noch bei uns. Und auch wenn ich mittlerweile wohl schon Beutel Nummer Zwei oder Drei durch Düsseldorf trage, wird das Original und seine Geschichte für immer bei mir im Herzen sein.

Frau vor Zaun mit gelber Regenjacke und Jutebeutel mit Origami-Kranich

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