„Ich mag das Wort ‚Mahlzeit'“ – Interview mit Mai Okubo

Was zieht eine Japanerin nach Deutschland? Und wie kommt sie mit der Sprache zurecht? Ich habe Mai Okubo im Düsseldorfer KIT-Café getroffen und mit ihr über Lieblingswörter und sprachliche Schwierigkeiten gesprochen. Vorerst noch auf Englisch. Das nächste Interview wird sie dann sicher schon auf Deutsch geben können.

Mai im Café

Wie lange lebst du schon in Deutschland?

Seit etwas mehr als einem Jahr.

Warum bist du nach Deutschland, nach Düsseldorf gezogen?

Um ehrlich zu sein: Eigentlich wollte ich nach Köln, nicht nach Düsseldorf. Wegen dem Kölner Dom. Das war ein Grund. Außerdem gab es da dieses Gefühl … Deutschland kam mir einfach in den Sinn. Das lief ungefähr so: Nach Frankreich? Nein, das möchte ich nicht. Nach Deutschland? Ja, da möchte ich hin. Also Deutschland.

Warst du vorher schon einmal in Köln gewesen?

Ja, vor zehn Jahren. Der Kölner Dom hat mich damals sehr beeindruckt. Ich habe dann zehn Jahre lang immer wieder gesagt, dass der Kölner Dom die schönste Architektur der Welt hat.

Warum wohnst du jetzt in Düsseldorf?

Als ich nach Deutschland kam, habe ich zunächst bei einem Freund in Neuss gewohnt. Eine Fahrkarte nach Köln ist von dort aus sehr viel teurer als eine nach Düsseldorf. Deswegen bin ich öfter nach Düsseldorf gefahren, das war besser zu erreichen. Außerdem hatte ich gehört, in Köln sei es schwieriger, eine Wohnung zu finden. In Düsseldorf fand ich eine Wohnung und einen Job, also zog ich von Neuss hierher.

Was machst du beruflich?

Ich bereite Sushi zu, in einem Supermarkt.

Hast du in Japan bereits Deutsch gelernt?

Nein, ich habe erst hier damit angefangen.

Kannst du dich an dein erstes deutsches Wort erinnern?

„Genau.“

Wie bitte?

„Genau.“ Die Leute sagen hier ständig „Genau“. An meinem ersten Tag habe ich sehr oft „Genau“ gehört. Das war dann mein erstes Wort.

Wie hast du Deutsch gelernt?

Mit einer Sprachlernseite im Internet. Und manchmal habe ich meine Mitbewohner gefragt. Aber am meisten habe ich mit einem Deutschbuch gelernt, das ich aus Japan mitgebracht hatte.

Gibt es besondere Wörter oder Redewendungen im Deutschen, die du magst und die es so in Japan nicht gibt?

Ich mag die deutsche Redewendung „Übung macht den Meister“. In Japan haben wir zwar eine ähnliche Redewendung, aber wir sagen das nicht so häufig.

Im Deutschen gibt es außerdem viele Wendungen mit Tieren, wie „Ich habe einen Frosch im Hals“ oder „Ich habe einen Kater.“ Das klingt so niedlich. I want to get a hangover if I can have a cat!

Du hast einen Beutel mit der Aufschrift „Life is too short to learn German“. Warum ist die deutsche Sprache schwierig für dich?

Deutsche Wörter sind maskulin, feminin oder neutral. Das ist schwierig für mich. Und dass sich das Verb immer ändert. Ich vergleiche oft mit dem Englischen – dort ändert sich das Verb auch, aber das ist einfach, es gibt ein oder zwei Formen. Aber im Deutschen: „Ich habe, Sie haben, du hast …“ – es gibt so viele verschiedene Formen.

Und die Position des Verbs. Manchmal kommt es an zweiter Stelle. Mit einem Wort wie „werden“ kommt das Verb jedoch erst am Ende. Warum? Oder zum Beispiel: „Es tut mir leid, dass ich die Verabredung vergessen habe.“ Mit „dass“ kommt das Verb am Ende. Aber: „Es tut mir leid, aber ich habe die Verabredung vergessen.“ Das ist wieder ein bisschen anders. Im Japanischen gibt es all diese verschiedenen Gruppen nicht. Deshalb ist das schwer für mich.

Hast du ein deutsches Lieblingswort?

„Guten Appetit.“ Oder „Mahlzeit“, das höre ich auch gern. Und auf der Arbeit sagen die Leute oft „Schönes Wochenende“ oder „Einen schönen Tag“, das mag ich. Für euch ist das normal, jeder sagt das, sogar an der Kasse. In Japan sagen wir das eher nicht.

Und – ich weiß nicht, ob man das als Lieblingswort bezeichnen kann, aber: „Guck mal“. Für meine japanischen Freunde und mich klingt das sehr süß.

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Dieser Blogeintrag erschien ursprünglich am 21. April 2017 auf meinem Sprachblog.Merken

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