I ♥ Fernsehtürme

Als ich vor 12 Jahren nach Düsseldorf zog, war ich nicht ganz so gut auf die Stadt zu sprechen. Ich wollte nicht weg aus Berlin, aber mein berlinuntaugliches 2,0er-Abi ließ mir keine andere Wahl. „Ach Gott, Düsseldorf“, hatten die Leute gesagt, denen ich meinen neuen Plan verkündete. „Aber Köln soll schön sein. Zieh doch nach Köln!“ Und auch ich verband mit Düsseldorf eigentlich nur so schickimicki, Kö halt.

Schon hier wohnend, grummelte ich mich durch die ersten Wochen. Sperrstunde um fünf, so gut wie keine Nachtbusse, kein Motor FM im Radio. Bis ich eines Abends am Rhein saß und mir jemand erzählte, dass die Lichter am Fernsehturm einem anzeigen, wie spät es ist. Da war es dann doch ein bisschen um mich geschehen: Okay, Düsseldorf, das ist ganz schön cool.

Der Rheinturm ist eine Uhr

Wenn ich heute für Postcrossing eine Postkarte in die Welt hinaus schicke, schreibe ich oft über den Fernsehturm. Der heißt hier Rheinturm und funktioniert tatsächlich auch als Uhr. Man muss nur die Punkte zählen: Wenn ganz oben ein Punkt leuchtet und darunter acht, ist es 18 Uhr. Unter dem roten Punkte-Ring geht es genauso weiter mit den Minuten – kommen da erst vier Punkte und darunter dann ein Päckchen mit sechs, ist es 18:46 Uhr. Ganz unten stehen noch die Sekunden. Deshalb weiß ich auch, dass ich dieses Foto um 20:18 Uhr gemacht habe:

Die Uhr ist Kunst, Horst H. Baumann der Künstler. Das Ganze sollte ursprünglich an die Oberkasseler Brücke kommen. Gut, dass es dann doch der Turm wurde, denn der „Lichtzeitpegel“ macht den Düsseldorfer Fernsehturm zu etwas Besonderem.

Fernsehtürme sind fester Teil einer Stadt

Ich weiß nicht, warum ich Fernsehtürme so liebe. Vielleicht liegt es daran, dass ich mit dem Berliner Fernsehturm aufgewachsen bin. So bin ich gewöhnt, dass im Hintergrund immer irgendwo ein Turm ist, er gehört fest zur Silhouette einer Stadt, ist Wahrzeichen und wird in Touri-Shops als Schlüsselanhänger oder Keksausstecher verkauft.

Jede Stadt hat einen. Eigentlich ja nur, um Radio- und Fernsehsignale auszusenden. Aber da auch jeder anders aussieht und meist eines der höchsten Gebäude ist, mag ich es, mir von dort oben einen Überblick zu verschaffen. Ein bisschen muss man sich den Kaffee im Drehrestaurant auch immer erarbeiten – der Donauturm in Wien liegt mitten im Park, der Stuttgarter Fernsehturm oben auf einem Berg.

Der höchste Fernsehturm der Welt

Und Tokyo hat sogar zwei: Der Tokyo Tower sieht aus wie ein roter Eiffelturm. Und wurde 2012 vom Tokyo Skytree ganz schön in den Schatten gestellt. Denn der ist mit seinen 634 Metern der höchste Fernsehturm der Welt, fast doppelt so hoch wie der Berliner Fernsehturm.

Wenn ein Fernsehturm da ist, ist alles gut. Vielleicht war es dieses Gefühl, das mich hat Freundschaft schließen lassen mit Düsseldorf. Und mich auch ein bisschen stolz sein lässt auf die Stadt, die sich mich ausgesucht hat. Da bin ich ja noch, 12 Jahre später. Zwischendrin habe ich vieles liebgewonnen: die Rundgänge der Kunstakademie, die Kirmes, den Rhein, die kurzen Wege. Aber angefangen hat eben alles mit ein paar Lichtern am Fernsehturm.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*