Die Bunte Seite #5

Neue und alte Entdeckungen. Aus Düsseldorf und der Welt. Sorgfältig ausgewählt und extrem subjektiv. Diesmal mit: einem Album, das nur ein einziges Mal produziert wurde, einer minimalistischen Spiele-App und einer illustrierten Doku-Serie.

1. Fynn Kliemann

Mit Musik habe ich’s eigentlich nicht so. Also Radio im Bad und was Chilliges im Café sind gut, aber über dieses Nebenbeihören geht es nie hinaus, ich bin einfach eher der Typ fürs Lesen. Es sei denn zur Musik gibt’s was Schönes zu gucken – wie die Videos von Fynn Kliemann. Eine Youtuberin hatte von diesem norddeutschen Jung erzählt, also schaute und hörte ich „Zuhause“ und bin sofort ein bisschen emotional geworden. Eine Träne weggewischt, dann noch „Morgen“ hinterhergehört, spätestens da war ich hin und weg.

Aber Fynn ist nicht einfach Musiker. Der Typ macht tausend Sachen und alle aus Bock. Hat eine Agentur, lebt irgendwo auf dem Dorf, ist mit Youtube-Videos bekannt geworden, in denen er eine Mauer/einen Hühnerstall/eine Astronautenrumschleudermaschine baut und dabei flucht, hat ein Buch geschrieben. Was eben gerade so ansteht. Einfach machen, lautet seine Devise. Herrlich davon erzählen kann er auch, zum Beispiel im Interview bei „Strass ohne Grund“ oder im „Hotel Matze“.

Die Sache mit seinem Album „nie“ ist ein besonders schönes Beispiel dafür, wie er so tickt. Denn das gab es nur in einer einzigen Auflage zu kaufen. Nach und nach veröffentlichte er die Songs auf Youtube, solange hatten seine Fans Zeit, das Album als CD oder Platte vorzubestellen. Wobei er dabei auch noch alles komplett selber gemacht hat bzw. mit Freunden, jedenfalls ohne Plattenfirma.

Wie viel Liebe zum Detail Fynn dann in sowas hineinsteckt, offenbart sich im MTV-Podcast „Kassensturz. Was hab ich eigentlich verdient“. Allein die Story um die Mütze, die dem Album als Extra beiliegt, ist großartig. Und natürlich ist es auch sehr interessant zu hören, was ein Album so kostet, wie viel er damit eingenommen hat und was er mit dem Geld macht, das am Ende übrig bleibt.

2. Design zum Spielen

Als Kind fand ich Tangram-Legespiele gleichzeitig faszinierend und langweilig. Mit gelben Plastikteilen musste man verschiedene Formen aus dem beiliegenden Heft nachlegen. Eine Aufgabe, die ich mit Eifer anging. Hatte ich es allerdings geschafft, war das nicht annähernd so cool wie etwa ein Puzzle zusammengesetzt zu haben, da die Teile nicht einrasteten. Aus irgendeinem Grund braucht man dieses Einrasten, um sich belohnt zu fühlen.

Ganz anders ist da die Spiele-App „VOI“: Hat man hier eine Figur richtig gelegt, löst sie sich in hübsche kleine Kacheln auf. Sowieso ist die minimalistische App einfach was fürs Auge. Wunderbar bauchige Level-Zahlen und alles in Schwarz-Weiß. Mit dem zusätzlichen Clou, dass schwarz und schwarz übereinander weiß ergibt. Klingt komplizierter, als es ist – ich fand die 88 Level vom Schwierigkeitsgrad her genau richtig, um dranzubleiben. Manche konnte ich sofort lösen, bei anderen hat es etwas gedauert. Aber nie zu lange (die extrem beruhigende Musik hat auch ein bisschen geholfen), so dass „VOI“ tatsächlich das erste „Computerspiel“ ist, was ich je durchgespielt habe.

3. Die Stärke des Verlierens

Bei Netflix gibt es wirklich gut gemachte Dokus. „Fyre“ fand ich sehr spannend, das ist die Geschichte über das beste und luxuriöseste Festival, das nie stattfand. Oder „Twinsters“, quasi ein modernes doppeltes Lottchen, nur dass die Lottchen 25 sind, in Korea geboren und dann adoptiert wurden. Eine studiert Mode in Frankreich und sieht das Youtube-Video der anderen, die Schauspielerin in den USA ist und einfach mal genauso aussieht wie sie.

Noch ein bisschen außergewöhnlicher aber ist „Die Stärke des Verlierens“ („Losers“ im Original), eine ganze Doku-Reihe über Sportler, die irgendwie immer am ganz großen Erfolg vorbeischrammeln. Erzählt von ihnen selbst und den Menschen um sie herum. Das Besondere: Die wichtigsten Momente und Schlüsselszenen sind durch sehr starke Illustrationen bebildert.

So kann man dann dabei sein, wenn sich ein Ausdauerläufer in der Wüste verläuft und nur überlebt, weil er Fledermäuse isst. Oder ein Hundeschlittenrennen in Alaska nicht ganz so fair verläuft wie erwartet. Oder ein Streetballer es zwar nie dauerhaft in ein Basketball-Team schafft, am Ende aber seine Berufung findet. Die insgesamt acht Storys sind echt sehenswert – auch oder gerade für Nichtsportskanonen.

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