Die Bunte Seite #4

Neue und alte Entdeckungen. Aus Düsseldorf und der Welt. Sorgfältig ausgewählt und extrem subjektiv. Diesmal mit: einem Buch mit zwei Kurts, einem Hotel zum Hören und einer fehlerhaften Nougat-Praline.

1. Kuttners „Kurt“

Sarah Kuttner hatte ich lange nicht auf dem Schirm. Da war mal was mit VIVA (oder war es MTV?) und Mängelexemplar, außerdem kommt sie auch aus Ost-Berlin und war damals immer mal im Magnet tanzen. Und nun saß sie also bei Bötti im Kölner Treff, erzählte, dass sie beim Schreiben vor allem das Alltägliche interessiere, und war auch sonst irre sympathisch.

Also holte ich mir ihr neues Buch „Kurt“ aus der Bib und zog es an zwei Tagen weg. Eigentlich geht es um ein Kind, das stirbt. Trauer als Thema, nicht gerade wochenendtauglich. Aber wie sie das schreibt! So leicht, so mittendrin und so schön Alltag. Allein dass der Mann und das Kind beide Kurt heißen! Und wie man die ganzen ersten Seiten kaum umblättern kann, weil es doch jeden Moment passieren müsste, und dann passiert es ganz anders.

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HAPPY #KURT-RELEASE-DAY to me!

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Und nicht zuletzt die Sprache! Es gibt feine O-Töne auf Berlin-Brandenburgisch: „Sind Sie ditt? Mitte Pflanzn?“, fragt der Typ, der die Pflanzen liefert. Heimat in meinen Ohren. Oder der spielerische Kindermund, der aus den „Pflanzentypen“ einen Wortohrwurm macht, den ich seitdem nicht mehr los werde: „Schmanzenschmüpen!“

2. Hotel Matze

Das Cover von „Kurt“ hat Kuttner sogar selbst gemacht, mehr aus Zufall und in einer schnellen Klebeaktion. Wie es dazu kam, erzählt sie im „Hotel Matze“ – meinem neuen Lieblingspodcast. Matze Hielscher interviewt hier Künstler und Unternehmer, zu ihren Anfängen, ihrem Alltag, ihren Gedanken. Ich stieß durch die Kuttner-Folge darauf, seitdem suchte ich die alten Folgen durch. 70 sind es inzwischen und ich freue mich auf jede einzelne.

Denn jedes Gespräch ist eine Wundertüte. Weil man die bekannten Gäste von einer Seite kennenlernt, die man dann doch nicht so kennt. Geschichten über Geschichten: wie Atze Schröder Atze Schröder wurde, womit Nora Tschirner ihre Therapeutin schocken konnte, wie Ronja von Rönne sich einfach mal einen Jaguar gekauft hat und was Fynn Kliemann nicht alles macht.

Hielscher stellt mit sehr angenehmer Stimme auch mal etwas tiefergehende Fragen und hakt an den richtigen Stellen nach. Manchmal eine gute Stunde lang, gerne aber auch länger. Dem Kuttner-Interview kann man zwei Stunden lang lauschen, mit Benjamin von Stuckrad-Barre hat er es auf fast dreieinhalb Stunden gebracht. Podcasts dürfen das. Wunderbar.

3. Das Seepferdchen aus Nougat

Zu besonderen Anlässen (Geburtstag, Weihnachten, Zeugnis) hat mir meine Oma früher oft Belgische Meeresfrüchte geschenkt. Heutzutage schenke ich mir die Nougat-Pralinen hin und wieder selbst, wenn es der Anlass verlangt (freitagabends). Ich kenne die also wirklich schon sehr lange.

Und jetzt kommt’s: Der Schwanz des Schoko-Seepferdchens rollt sich nach außen – im Gegensatz zu richtigen Seepferdchen, da rollt er sich nach innen! Das gibt’s ja nicht. Ich bei Instagram also sofort an den belgischen Hersteller Guylian geschrieben und gefragt, wie es zu diesem interessanten Unterschied kam, warum der Gründer das Seepferdchen damals so designt hat.

Zunächst schienen die Social-Media-Leute dort auch so enthusiastisch wie ich: „Good question! I’ll check with my colleague“! Einen Monat später vertuschten sie dann aber leider mit einer Larifari-Antwort (das sei halt eine „unique creation“ und eine „international registered trademark“), dass sie es auch nicht wissen.

Wahrscheinlich sah es einfach harmonischer aus, auf der einen Seite die Schnauze, auf der anderen der gerollte Schwanz, ein bisschen wie Yin und Yang. Und wen die Praline mit dem falschrummen Schwänzchen stört, dem empfehle ich die Rewe-Nachmache – da ist es dann nämlich richtig herum.

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