Die Bunte Seite #3

Neue und alte Entdeckungen. Aus Düsseldorf und der Welt. Sorgfältig ausgewählt und extrem subjektiv. Diesmal mit: pädagogisch wertvollen Kleidungsstücken und farblich abgestimmtem Essen.

1. Der Wert eines Kleidungsstücks

Das mit der Mode finde ich ja eher anstrengend. Weshalb ich seit dem Studium nur noch Schwarz trage, das reduziert die Auswahl in den Läden und senkt den Grad meiner Überforderung. Dabei denke ich weniger an Trauer- oder Gothic-Schwarz und mehr so an Architekten-Schwarz. Die Wahrheit liegt wohl ganz woanders, aber definitiv nicht irgendwo dazwischen.

Jedenfalls staune ich immer, wie andere Leute das machen. Es gibt die, die wirklich gut angezogen aussehen. Und die, die scheinbar nie zweimal dasselbe tragen. Und dann gibt es die mit den unglaublich großen Markennamen auf dem T-Shirt. Die also mit dem Tragen der Kleidung Werbung für diese Marke machen – und dafür ja eigentlich Geld bekommen müssten, statt horrende Summen dafür zu bezahlen. Aber ich versteh schon, Status und so.

Skischuhe in Ghana

Den Machtstrukturen hinter der Sache mit der Mode hat sich der Kunststudent Jojo Gronostay gewidmet. Dafür ging er selbst shoppen, und zwar auf dem Kantamanto-Markt in Ghanas Hauptstadt Accra. Ein riesiger Secondhand-Markt, auf den auch die aussortierten Kleider der Deutschen gespült werden. Und auf dem deshalb für Ghana so nützliche Dinge wie Skischuhe landen.

Gronostay wählte T-Shirts und Hoodies, bezahlte quasi nix, nahm alles mit nach Deutschland und gründete ein Modelabel als Kunstprojekt. Als in den 70er Jahren die ersten Secondhand-Textilien auf dem Kantamanto-Markt ankamen, dachten die Einheimischen, es müsse sich um die Kleidung Verstorbener handeln, so gut, wie die erhalten war – „dead white men’s clothes“ sagten sie dazu.

Selten, am seltensten, #habenwollen

Der Künstler übernahm die Bezeichnung für sein Label und ließ den Schriftzug oder seine Kurzform „DWMC“ auf die ausgewählten Teile drucken. 118 Stück, alle von ihm signiert. Zusammen mit der Marketing-Agentur Amsterdam Berlin bietet er sie nun zum Verkauf auf einer eigenen Website an. Fettes Label, signiert, limitiert – fehlt nur noch der stolze Preis, um das Spiel mit der Begehrlichkeit auf die Spitze zu treiben: 150 € für ein T-Shirt, 300 € für einen Hoodie. Mit den Einnahmen sollen dann junge Designer in Ghana unterstützt werden.

Was für ein schönes Spiel mit dem Wert einer Textilie, was für ein lächerlicher Kreislauf aus Konsum, Wegwerfen und Mega-Konsum. Es ist alles eine Frage der Aufmachung. Status, Baby, das will auch das fast schon hypnotisierende Intro auf deadwhitemensclothes.com klarmachen. Schon allein deswegen lohnt es sich, mal einen Blick auf die Seite zu werfen. Mh, und ein paar Sachen in Schwarz gibt’s da ja auch …

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#deadwhitemensclothes #DWMC

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2. Essen nach Farben

Schon seit geraumer Zeit liebäugele ich mit einem 100er-Pack Pantone-Postkarten. Da sind 100 verschiedene Farben aus dem Pantone-Farbsystem drauf, zusammen mit der Nummer und schönen Namen wie „Caribbean Sea“ und „Striking Purple“.

Die wären ja perfekt für das Postcrossing-Projekt, dachte ich zuerst. Aber da sich die Leute ja auch über die Bilder auf den Postkarten freuen und nicht immer so gut Englisch können, dass der Text hintendrauf sie ebenso erfreuen würde, sind die Karten dafür vielleicht doch nicht so ideal.

Wäre man ein Fotograf, wie Rüdiger Trost, könnte man mit den Karten rausgehen und die Farben in der Umgebung suchen:

Ich liebe solche Ordnungsprinzipien. In den 90er Jahren hat die Künstlerin Sophie Calle mal eine Woche lang nach der „Chromatischen Diät“ gelebt, die Paul Auster in seinem Roman „Leviathan“ beschrieben hatte. Also jeden Tag nur Essen einer bestimmten Farbe essen. Von Möhrenpüree und Orangensaft am Montag über Gurke, Brokkoli und Basilikum-Pasta am Donnerstag bis hin zu Schinken und Erdbeereis am Samstag.

Das wär doch mal was für die Frauenzeitschriften. Paleo, vegan und glutenfrei müssten jetzt ja langsam durch sein. Man könnte auch noch einen Schritt weitergehen und eine Pantone-Diät machen, das tägliche Essen also auf die Farben „Caramel“ oder „Grass Green“ beschränken. Am besten, ich bestelle mir jetzt erstmal die Postkarten, dann sehen wir weiter …

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