Der Fund

Am Rhein hat ein Jogger
einen Bernstein aufgehoben
in der Tasche fing dieser dann
zu brennen an denn
Phosphor brennt bei 30 Grad

Einen Krieg kriegt man nicht
aufgeräumt

7 Antworten auf „Der Fund“

  1. Verwechslungsgefahr
    Nicht nur mit Bernstein
    Sie hat es für Regen gehalten
    Damals im Keller
    Acht- oder Neunjährig

    Es stimmt wohl
    Einen Krieg kriegt man nicht
    aufgeräumt

      1. Erlebnisse meiner Mutter
        Um 1944
        Schutz suchend während Tod vom Himmel fiel
        Ausharren mit meiner Oma
        Ein Kellerfenster gibt Blicke nach draußen frei

        Mutti, es regnet

        Sie gab es weiter
        Das Trauma
        Die Angst
        Das Beste wollend

        Auflösen
        Teil meiner Lebensaufgabe

  2. Hallo Carina,

    inhaltlich finde ich den Text top! Er führt so schön vom Wunderlichen über das fast schon Lustige hin zum Ernsten. Wirklich lesenswert!

    In Bezug auf das Sprachliche: Wieso hat der Text keine Interpunktion erhalten und weist zum einen zwar Großschreibung auf, wobei zum anderen auf sie wieder verzichtet wird bei „in“.
    Ich frage so etwas ständig Autoren/innen, weil ich immer noch auf der Suche nach einer klaren Antwort bin, die nicht vermuten lässt, man ließ alles weg oder war inkonsequent, weil man es eigentlich nur nicht besser wusste oder sich die Arbeit einfach nicht machen wollte – was ich dir nicht unterstelle!

    Aber sage gerne einmal etwas zum zweiten Punkt, weil es mich ernsthaft interessiert, auch wenn ich im Gegenlager der absoluten Strenge sitze.

    Viele Grüße und gerne gelesen
    René

    1. Hallo René,

      eine sehr gute Frage, die ich gerne versuche zu beantworten.
      Aus irgendeinem Grund hat sich mein Schreibstil so entwickelt, dass ich in Gedichten keine Interpunktionszeichen mehr verwende (das war vor einigen Jahren noch anders).
      Zum einen liebe ich die Reduktion, auch in anderen Bereichen wie Wohnraum, Kleiderschrank oder materieller Besitz. Reduktion ist für mich ästhetisch. Und bei einem Gedicht muss auch die Form schön sein, wenn man die Augen zusammenkneift und nur noch ein schwarz-liniertes Gebilde sieht. Kommata, Doppelpunkte und Anführungszeichen stören in meinen Augen dieses Bild.
      Zum anderen passt diese Form zur Schnelligkeit der Stadt, der Text soll etwas Skizzenhaftes haben, deswegen nenne ich diese urbanen Sprachminiaturen auch lieber „Wortskizze“ als „Gedicht“:
      https://urbanschreiben.wordpress.com/2016/05/13/was-ist-urban-writing/
      Umbrüche und Absätze übernehmen hier die Funktion der Interpunktion. Deshalb auch das kleine „in“ – die Pause davor soll nicht länger sein als die anderen Pausen an den Zeilenenden. Eine Ausnahme sind Kommata, die ich verwende, um wörtliche Rede zu kennzeichnen:
      https://urbanschreiben.wordpress.com/2016/07/18/die-menschen/
      Konsequent wäre nun, auch gleich alles kleinzuschreiben, wie es ja viele Dichter tun. Doch als Lektorin und Rechtschreibfanatikerin kann ich das wiederum nicht. Es ist verrückt.
      Wie ist es bei dir, warst du schon immer vom Gegenlager der Strenge oder hat es sich auch bei dir so entwickelt? Und kannst du erklären warum?

      Viele Grüße

      Carina

      1. Hallo Carina,

        ich danke dir vielmals für deine Antwort, die ich gut nachvollziehen kann. Es ist dennoch erstaunlich, dass du es als Lektorin so hältst. Aber es ist eben die Frage, was für einen ästhetisch ist und was nicht. Das ist auch der Punkt, wo ich gar nicht weiterfrage oder diskutieren möchte. Es ist aber schön zu lesen, dass du eine ehrliche und vor allem begründete Ansicht hast – das vermisse ich immer wieder bei Autoren/innen und ist eigentlicher Gegenstand meiner Kritik.
        Da ich Philosoph bin, weiß ich, was ein Komma an Bedeutungsveränderungen auslösen kann. Entsprechend möchte ich daher auf genaue Sprache achten, um ungewollte Mehrdeutigkeiten oder Unverständnis zu vermeiden. Ferner denke ich, dass man als Autor auch eine Verantwortung gegenüber den Lesenden hat: Wer Texte liest, lernt Sprache. Wer Sprache willkürlich darstellt, vermittelt ein Bewusstsein von Willkür in der Sprachverwendung. Daher betone ich Strenge. Schließlich gibt es noch einen Gedanken, der sich in der griechischen Antike unter den Poeten entwickelt hat: Es geht nicht darum, immer wieder Neues zu schreiben, sondern sich „Fesseln“ (Formen, Metren, Sprache) aufzuerlegen, um Altes noch besser darzustellen. Erst das unterscheidet den Stümper vom Poeten.
        Das alles kann man so denken oder nicht. Wie gesagt: Mir ist eben vor allem begründetes Schreiben wichtig, egal wie streng oder nicht.

        Viele Grüße
        René

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*