Briefmarken, die wirklich besonders sind

Ja okay, auch hierzulande gibt es tolle Briefmarken. Zum Beispiel die neue mit dem Polizei-Schriftzug. Aber wenn man mal einen Blick über den eigenen regionalen Zackenrand wirft, finden sich Briefmarken, die noch viel mehr können als nur Porto. Schokoladen-Marken, Mini-Schallplatten, Crypto Stamps … Hier meine Favoriten.

Briefmarken mit Schokolade

Sieht aus wie Schokolade und riecht auch so: Die Schweiz hat 2001 einen Briefmarkenbogen herausgegeben, der aussieht wie eine Tafel Schokolade, so richtig noch mit dem Stanniolpapier drunter. Jede Marke ist ein Stückchen, was sogar nach Schokolade duftet, wenn man daran reibt.

Noch besser waren allerdings die Belgier. Die haben kurze Zeit später fünf Marken gemacht, die nicht nur jeweils nach einer belgischen Schokoladen-Spezialität riechen – sondern auch danach schmecken! So macht das leidige Anlecken bestimmt mal richtig Spaß.

Auf Spurensuche mit Briefmarken

Ich bin nicht so der Krimi-Fan, aber das hier ist cool: 2016 hat die Royal Mail sechs Agatha-Christie-Briefmarken herausgegeben, die sich um ihre berühmtesten Kriminalromane drehen. Das Besondere: Die Marken enthalten jede Menge versteckter Hinweise.

Zum Beispiel „Mord im Orient-Express“ – hier steht der Mörder hinter einem Vorhang aus wärmeempfindlicher Farbe, die verschwindet, wenn man mit dem Finger draufgeht. Sein Profil findet sich außerdem im Zugdampf wieder. Und die Namen aller Verdächtigen stehen in Mini-Schrift unten auf den Schienen.

Auch die anderen fünf Briefmarken kann man mit einer Lupe entdecken, oder mit UV-Licht. Und eine erhebt sich mithilfe einer App sogar in den dreidimensionalen Raum. Wunderbar, solche Marken erfreuen dann nicht nur die Sammler, sondern auch Agatha-Christie-Fans und generell alle, die sich gerne auf Spurensuche begeben.

Briefmarken mit Brailleschrift

Im Prinzip ist es immer spannend, wenn neben der visuellen Ebene noch andere Sinne angesprochen werden. Duft und Geschmack sind ein schönes Extra, noch ein bisschen bedeutsamer aber sind die Braille-Briefmarken aus den Niederlanden. Die sind schön minimalistisch und vereinen beide Schriftsysteme – sie enthalten sowohl gedruckte Buchstaben als auch geprägte Braille-Schrift.

Und während Blinde und Sehbehinderte die Briefmarken vollständig lesen können, werden Sehende an die Braille-Schrift herangeführt: Einige gedruckte Buchstaben fehlen nämlich und können mithilfe des Braille-Alphabets am Bogenrand entschlüsselt werden. Oder man schaut einfach auf die Rückseite, dort stehen die fehlenden Buchstaben in Grau.

Für Niederländisch-Unkundige wie mich braucht man jetzt nur noch den Google-Übersetzer und schon wird man mit einem kleinen Textchen belohnt: Auf einer steht zum Beispiel „Brief vurig hart“ – „Brief feuriges Herz“. Na, das ist doch was.

Briefmarken zum Anfassen

Eine Briefmarke muss nicht immer aus Papier sein – auch mit dem Material wurde schon viel experimentiert. In Österreich gab es schon eine gestickte Dirndl-Marke, passend dazu eine Lederhosen-Briefmarke aus echtem Leder, die sogar mit Swarovski-Steinen besetzt ist.

Briefmarken zum Anhören

Ein Sinn fehlt uns noch: Eine Briefmarke zum Hören gibt es auch schon! Die Schweizerische Post hat eine Schallplatten-Marke gemacht, die man richtig abspielen kann. Stilecht ertönt dann die Schweizer Nationalhymne.

Wobei die Schweizer damit gar nicht die ersten waren: Bereits 1972 hat das Königreich Bhutan bunte Schallplatten-Briefmarken herausgegeben. Ebenfalls mit der Nationalhymne drauf, außerdem Volksmusik und Infos zum Land. Briefmarken und Schallplatten haben übrigens nicht denselben Mehrwertsteuersatz. Hat man solch einen alten Schatz im Internet ersteigert, erzählt der Blogger Michael Kausch, ergeben sich also lustige Szenen auf dem Zollamt („Das geht nicht!“).

Die Crypto Stamp

Das mit der Krypto-Währung erscheint vielen Leuten ja immer noch kryptisch. Umso schöner, wenn ein analoges Medium wie die Briefmarke einem das Ganze näherbringt. In diesem Sommer hat die Österreichische Post die erste Crypto Stamp der Welt herausgebracht.

Die Marke vereint das Analoge mit dem Digitalen: Der linke Teil ist eine ganz normale 6,90-Euro-Briefmarke mit einem coolen Einhorn drauf. Auf dem rechten Teil stehen unter einem Rubbelfeld die Zugangsdaten zu einer digitalen Geldbörse.

In dieser Geldbörse, Wallet genannt, sind ein paar Ether drin. Ether ist wie Bitcoin eine Kryptowährung. Deswegen auch das Einhorn – das Wappentier der Ethereum-Community. Außerdem ist da noch ein Token. Der geringe Betrag an Ether ist dafür da, dass man den Token versenden kann.

Was man dann genau damit macht, lässt sich wohl am besten an einer eigenen Marke nachvollziehen. Leider waren die Crypto Stamps natürlich im Nu vergriffen. Dafür gibt es Briefmarken-Fans wie Ron Pichler, die sich auf Youtube näher damit befassen:

Und in Deutschland?

All diese Beispiele zeigen, wie besonders Sondermarken doch sein können. In anderen Ländern zumindest. Tja, und was macht Deutschland so? „Ja, es gab da mal welche mit Duft, aber das ist lange, lange her“, winkt die Dame ab, die sporadisch den einzigen Philatelie-Schalter der Post in Düsseldorf besetzt. Sie meint wohl die Briefmarken von 2010, die nach Früchten wie Erdbeeren und Zitronen riechen.

Also mache ich weiterhin fleißig bei Postcrossing mit, wer weiß, was für besondere Briefmarken dadurch so in meinem Briefkasten landen. Und für die Post, die ich selbst versende, suche ich zumindest Marken mit einem besonders schönen Design aus. Oder eben die reflektierende Polizei-Briefmarke. Die macht vielleicht keine Musik, ist aber trotzdem supercool.

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